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Grenzenloses Telefonieren : Die Roaming-Revolution rollt über Europa

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Ab Weihnachten 2015 spielt es keine Rolle mehr, ob ein Handy eine dänische oder eine deutsche Vorwahl hat. Roaminggebühren werden abgeschafft. Die Preise purzeln schon jetzt – im Ausland.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 19:56 Uhr

Im Urlaub mit dem Handy zu telefonieren oder zu surfen galt lange Zeit als sicherer Weg in die Kostenfalle, doch ab 2015 sollen Schockrechnungen der Vergangenheit angehören. Die EU will, dass grenzübergreifendes Telefonieren und Datenroaming innerhalb ihrer 28 Mitgliedsstaaten von Zusatzkosten befreit wird. Dafür wurden ab 1. Juli 2014 pünktlich zur Urlaubszeit für Telefonate, SMS und das Internetsurfen per Smartphone neue Preisobergrenzen eingeführt.

Im nächsten Schritt sollen die Roaminggebühren für die Endkunden laut Entscheidung des EU-Parlaments endgültig wegfallen. „Internet-Zugangsanbieter sollen davon abgehalten werden, bestimmte Dienste aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen zu blockieren oder zu verlangsamen", so schreibt es das „Telekom-Paket“ der EU vor.

Konkret bedeutet das: Wer viel in den Mitgliedsstaaten unterwegs ist, muss ab 15.12.2015 nicht mehr auf die Preise achten. Er zahlt immer nur die Tarife, die er bei seinem eigenen Anbieter gebucht hat, kann also grenzübergreifend ohne verdeckte Kosten Gebrauch von seiner Flatrate machen. Ein positives Signal – vor allem für Vielreisende, Grenzpendler und Nutzer, deren Endgerät sich standortbedingt, häufig unbemerkt, in ausländische Netze einwählt.

Die Roamingangebote und Reise-Optionen der großen Anbieter in Deutschland sind unter diesen neuen Voraussetzungen schon jetzt größtenteils nicht mehr zeitgemäß. Erweiterungen der Tarife auf Kommunikation im Ausland kosten zum Teil noch mehrere Euro am Tag. Die Deutsche Telekom verlangt fünf Euro pro Monat – der Tarif muss aber für ein komplettes Jahr gebucht werden. Base bietet seinen reisenden Kunden für monatlich 2,99 Euro immerhin eine einigermaßen preisgerechte Option an.

Wer jedoch glaubt, dass das EU-Gesetz über andere Kanäle zu einer Gebührenerhöhung führen könnte, der irrt: Discountmarken wie simyo, blau.de oder aldi-talk haben ihre EU-Roaminggebühren bereits abgeschafft – ohne Erhöhung anderer Gebühren. Unter der Prämisse purzelnder Preise dringen ausländische Anbieter indirekt auf den deutschen Mobilfunkmarkt. In einem guten Jahr wird es schließlich völlig irrelevant sein, ob man im Besitz einer ausländischen oder einer inländischen Handynummer ist.  Davon dürften insbesondere auch Schleswig-Holsteiner aus dem Grenzgebiet profitieren.

Einer der Vorreiter ist der dänische Provider „3“, der mit seinen Tarifen inzwischen 13 verschiedene Länder abdeckt. Für Preise ab 15 Euro monatlich bekommen Kunden mobiles Internet mit LTE-Advanced bei hohen Datenmengen von 1 bis 20 Gigabyte inklusive SMS- und Allnet-Flatrate in alle Netze der 13 Verbundstaaten angeboten. Zu den Ländern, in denen die Daten-Flatrate gilt, gehören neben Deutschland und Schweden auch Großbritannien und Hongkong. Vertragskunden müssen bei Abschluss allerdings noch in Besitz einer dänischen CPR-Nummer (Nationale Identifikationsnummer) sein – somit sichern sich die Anbieter dann doch ihre nationale Kundschaft.

Dennoch wird der liberalisierte Markt den Kunden helfen, die Kosten- und Leistungsvorteile innerhalb Europas frei auszuloten. Nicht nur in Sachen Netzabdeckung und LTE, sondern auch in der Kostenstruktur sind andere Länder Deutschland weit voraus. Viele Jahre scheffelten die Netzbetreiber Erlöse in Milliardenhöhe – vor allem hierzulande. Und noch immer sind die Gebühren für nationale Handy-Telefonate im europäischen Vergleich überhöht. Doch die Provider reagieren inzwischen mit leicht vergünstigten Angeboten und teils deutlich erhöhten freien Datenmengen auf die neue Herausforderung. Die Zeiten der „urdeutschen“ 200 MB Flatrate mit 100 Freiminuten zum Monatspreis von 34,99 Euro dürften nach Ablauf der derzeitigen Verträge der Vergangenheit angehören.

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