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Christiansens Netzwelt : Die Rache der Bots

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Entwickler gräbt Betrügern das Wasser ab, indem er seine eigene Telefonstreich-Armee programmiert.

von
erstellt am 24.Feb.2017 | 09:44 Uhr

Auch wenn das Internet die Kommunikation verändert hat, man lieber via Messenger eine Sprachnachricht verschickt, statt durchzurufen – Betrugsversuche per Telefonanruf kommen irgendwie nicht aus der Mode. Aktuellste Masche: Der Anrufer mit der fremden Nummer fragt scheinheilig: „Hören Sie mich?“ Höfliche Opfer sagen laut und deutlich „Ja!“ Das Fiese dabei: Die Betrüger schneiden das Gespräch so zusammen, dass das „Ja!“ hinterher als Zustimmung zu einem Vertragsabschluss zu hören ist. Sollte Ihnen so etwas passiert sein: die Verbraucherzentralen kennen die Masche und bieten Hilfe an.

Stets aktuell sind Anrufe vermeintlicher Microsoft-Techniker, die unter dem Vorwand, Wartungsarbeiten durchführen zu wollen, Fernzugriff auf den Rechner erbitten und ihn damit kapern. Das war gerade zu Zeiten der Windows-10-Umstellung wieder stark im Trend. Das wissen nicht nur die Verbraucherzentralen, sondern auch Microsoft selbst. Nicht gut fürs Image, auch wenn der Software-Konzern selbst damit gar nichts am Hut hat. Doch diesen Anrufern beizukommen, ist nicht leicht, das Sperren von Nummern nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Jetzt haben sich die Betrüger – sogenannte Scammer – aber wohl mit dem Falschen angelegt. Auf dem Rechner des Programmierers Roger Anderson ploppte eine Meldung auf, das Gerät wäre mit „einer Spyware und einem Virus“ infiziert. Hilfe gebe es unter einer angegeben Telefonnummer. Der vermeintliche Microsoft-Techniker am anderen Ende der Leitung würde Anderson Schritt für Schritt dabei helfen, die Schadsoftware vom Rechner zu entfernen. Dazu notwendig: die Installation einer Fernwartungssoftware – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Anderson dachte Böses und rächt sich nun: Er hat eine Software gebastelt, die die Scammer ins Abseits katapultiert. Kommt ihm eine solche Nummer in die Finger, lässt er seine Bot-Armee auf sie los. Die Computerprogramme bombardieren die Fake-Hotline mit Anrufen – solange, bis die Leitung ihren Geist aufgibt. Die Angerufenen werden von dem Programm mit Phrasen wie „Das habe ich nicht verstanden“ künstlich in der Leitung gehalten. Anderson zieht seinen Rache-Plan im großen Stil auf: Er ruft Nutzer dazu auf, ihm solche Scam-Nummern zukommen zu lassen. Seine Bots würden sich darum kümmern.

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