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Dreyklufts Netzwelt : Die Kraft des Dauerauftrags

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Profi-Netzlobbyismus ist Demokratieschutz, so wie professioneller Umweltlobbyismus Naturschutz ist, meint Kolumnist Joachim Dreykluft.

Sascha Lobo, das ist der, der mit rasierten Schläfen und einem roten Irokesenscheitel herumläuft, der in der Guckt-mal-hier-komm-ich-Liga ganz vorne liegt, aber es trotzdem hinbekommt, seriös zu wirken. Lobo erklärt seit Jahr und Tag den Deutschen das Internet, in Büchern, auf Spiegel Online, bei Vorträgen. Und auch auf der Re:publica, jenem Internetkongress in Berlin, über den ich letzte Woche bereits berichtete.

Dieses Jahr war Lobo in seiner „Rede zur Lage der Nation“ richtig sauer. Die von ihm so genannte Netzgemeinde baue in ihrer politischen Durchschlagskraft auf „Hobby-Lobbyismus“, sie ernähre keine Menschen, die hauptamtlich für Freiheit und Demokratie im Internet kämpfen  können. „Ihr twittert, aber ihr überweist nicht“, war Lobos Fazit.

„Ihr“, damit meinte Lobo vor allem junge Menschen. „Die Bekassine ist euren Eltern mehr wert als euch das Internet“, beschimpfte Lobo das Netzgemüse.  Die Bekassine ist „Vogel des Jahres 2013“, und für dieses Tier, so  führte Lobo   aus, arbeiten  allein beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern 120 feste Mitarbeiter.

An dieser Stelle übertrieb Lobo, denn die 120 Leute arbeiten ja nicht nur für die Bekassine, sondern auch für Uhu und Kuckuck. Aber fest steht:  Die  bekommen viel finanzielle Unterstützung für ihre sinnvolle Arbeit.

Deshalb meine Idee: Wenn Lobo auf der Re:publica die Jungen anpumpt, damit die ihre Eltern  anpumpen, damit die spenden für mehr Bürgerrechte im Internet, dann kann ich das in dieser Kolumne  direkt bei den Eltern tun. Denn recht hat er damit, dass ein Netz, in dem Bürgerrechte, Daten-  und Verbraucherschutz eingehalten werden und Geheimdienste nicht planlos Bürger ausspähen,  Profi-Fürsprecher braucht. Und das Interesse daran ist keine Frage des Lebensalters.

Schauen Sie mal bei Netzpolitik.org, digitalegesellschaft.de oder wikimedia.de vorbei. Und denken Sie über finanzielle Unterstützung nach. Denn Profi-Netzlobbyismus ist Demokratieschutz, so wie professioneller Umweltlobbyismus Naturschutz ist. Greenpeace wurde durch Daueraufträge groß.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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