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Kieler Start Up-Unternehmen : Die Hüter der Daten

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Fast jeder hat heute Angst, dass seine Daten im Internet ausspioniert werden. Zwei Kieler wollen uns diese Ängste jetzt nehmen und haben dafür eine eigene Software zum Verschlüsseln von Daten geschaffen.

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erstellt am 23.Mai.2014 | 19:48 Uhr

Kiel | Es ist eine große Vision, die zwei Kieler in einem kleinen Büro in der Landeshauptstadt verwirklichen wollen:  „In zehn Jahren sollen sich die Menschen keine Gedanken mehr um Datenschutz machen müssen und Verschlüssellungstechnik so selbstverständlich nutzen wie heute Stift und Papier“, sagt Torben Haase. Zusammen mit seiner Schwester Annika Schulz hat der 33-Jährige das Start Up Flowy Apps gegründet. Es fußt auf der von ihm entwickelten Reds-Technologie, von der der Medieninformatiker behauptet: „Mit ihr wäre der NSA-Skandal sicher kleiner ausgefallen.“

Das sind große Worte für zwei Existenzgründer aus Schleswig-Holstein, doch die Grundidee klingt überzeugend. Immer mehr Menschen und Unternehmen speichern ihre Daten nicht mehr zu Hause auf ihrem Rechner, sondern in der Cloud – also auf Servern, die teilweise sogar im Ausland stehen. Der Vorteil: Man kann von jedem Ort der Welt auf seine Daten über das Internet zugreifen. „Allerdings haben die Anbieter solcher Dienste auch den vollen Zugriff auf unsere Daten“, erklärt Haase. „Während meines Studiums habe ich gedacht, dass es einen Weg geben muss, diese Internetanwendungen zu nutzen, ohnen dass ich meine Daten fremden Anbietern geben muss.“ Seine Lösung: Der Internetnutzer speichert seine Daten auf einem eigenen Server oder einem zertifizierten Server-Anbieter seines Vertrauens. Das Programm, mit dem der Nutzer seine Daten bearbeitet, hat durch das Kieler Verschlüsselungssystem Reds keine Möglichkeit, auf die Daten zuzugreifen. Es vermittelt nur zwischen dem Anwender und seinen Daten.

Dieser Gedanke wurde zunächst zur Bachelor-Arbeit und dann zur Geschäftsidee. Es hat auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie überzeugt, welches dem Start Up mit dem Gründerstipendium EXIST den finanziellen Nährboden schaffte. 2012 wurde das Start Up mit dem ersten Platz beim Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein ausgezeichnet. „Ohne diese Hilfe, hätte unsere Unternehmensgründung viel länger gedauert. Wir konnten über das Stipendium ein großes Netzwerk aufbauen“, berichtet Annika Schulz, die gerade an ihrem Studienabschluss in Betriebswirtschaftslehre arbeitet.

Konferenzen besuchen, Termine bei Versicherungen und Anwälten wahrnehmen und nebenbei noch für die anstehende Bachelor-Thesis recherchieren. So sieht der Alltag der 27-jährigen Studentin und Geschäftsführerin aus. Ihr Bruder Torben Haase entwickelt das technische Konzept immer weiter. „Das ist ein hoher Arbeitsaufwand. Mein Wochenprogramm besteht zurzeit nur aus Programmieren und Schlafen“, berichtet er.

Die Vision des Geschwisterpaares trifft den Nerv der Zeit. Jüngste Enthüllungen der Daten-Schnüffelleien der amerikanischen Geheimdienste haben die Sicherheit von Cloud-Diensten grundlegend in Frage gestellt. Der US-Dienst NSA und der britische Partner GCHQ sollen jeden Tag Millionen Daten von Servern bei Google und Yahoo abgefangen haben. Das neue Bewusstsein für Datensicherheit freut Annika Schulz und Torben Haase: „Anfangs wurde unser Konzept noch als technische Spielerei abgetan. Das hat sich mittlerweile komplett geändert.“

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