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Christiansens Netzwelt : Die Grenzen des Anstands

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

US-Forscher wollen helfen, bessere Roboter zu entwickeln – mit einem überflüssigen Experiment.

von
erstellt am 11.Apr.2016 | 11:34 Uhr

Sie sprechen, sie legen den Kopf schief, wenn sie nachdenken oder auf Reaktionen des Gegenübers warten, und sie sehen irgendwie niedlich aus: Humanoide Roboter zählen seit Jahren stets zu den Highlights auf Technikmessen rund um den Globus – und halten wohl irgendwann Einzug in unseren Alltag (zumindest wenn man den Prophezeiungen aus der Fachwelt glaubt). Dabei wird es sich nicht mehr nur um fertig programmierte Computer in menschenähnlicher Gestalt handeln, die unsere Befehle stumpf ausführen. Sie lernen uns kennen, so wie es bereits das Wörterbuch unserer Smartphone-Tastatur oder die Sprachassistenten auf unseren Mobilgeräten und PCs vormachen. Sie reagieren, als hätten sie einen eigenen Willen, geben Zuspruch und erteilen Abfuhren. Und sie können uns in Verlegenheit bringen.

Wie es ihnen gelingt, uns die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben, haben Wissenschaftler der Stanford University in einem Experiment gezeigt: Ein kleiner weißer Roboter mit unschuldigem Gesichtsausdruck forderte die Probanden auf, verschiedene Teile seines Körpers zu berühren: Hand, Ohr oder … Hinterteil. „Wie bitte?“, dachten sich wohl die Teilnehmer irritiert bis entrüstet. Denn die Sensoren, die die körperliche Reaktion der Probanden maßen, verzeichneten in diesen Fällen einen erhöhten Hautleitwert (die elektrische Leitfähigkeit der Haut). Ein klares Zeichen für physiologische Erregung.

Ich fühle mich verleitet zu sagen, dieses Experiment fällt in die Kategorie „Studien, die die Welt nicht braucht“. Die Forscher wollen dazu beitragen, dass bessere Roboter entwickelt werden, deren Bedienflächen nicht in den Intimzonen angebracht sind. Darauf, dass es geeignetere Stellen gibt als Schritt oder Hintern, hätte man auch so kommen können – zumal Körperteile empfehlenswert wären, die leicht erreichbar sind. Doch die Erkenntnisse könnten auch daran erinnern, wie respektvolles Zusammenleben überhaupt gelingen kann – auch mit smarten Robos. Nämlich mit Werten, die auch das menschliche Miteinander erleichtern. Denn – gerade wenn Roboter lernen – sollte man sie gut behandeln, ob sie nun eine Seele haben oder nicht. Wer weiß, wozu es gut ist…

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