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Nagars Netzwelt : Die Evolution des Klammeräffchens

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das @-Zeichen mausert sich zum Zeichen für die gesamte Netzwelt, meint unsere Kolumnistin Mira Nagar.

Das scheue Wesen kam fast unbemerkt in unsere Alltagswelt, stets versteckt zwischen einem möglichst beknackten Spitznamen wie  mausi92 und einem langweiligen Anhang wie gmx.de oder aol.com. Der Klammeraffe, kurz @.

Man könnte meinen, das oft im Internet heimische Tierchen sei möglicherweise vom Aussterben bedroht. Denn die Jugend von heute interessiert sich nicht mehr für E-Mails, in denen das kleine Wesen oft zu finden war. Eine britische Studie ergab kürzlich: Nur zwei Prozent der Zwölf bis 15-Jährigen nutzen die elektronische Post.

Auch ich  muss zugeben, dass ich Mails fast nur noch beruflich schreibe und empfange. Privat flattern in meine Mailpostfächer fast ausschließlich Spam, dröge Newsletter und Rechnungen. Und noch mehr Spam. Private Mails erwarte ich kaum noch im Postfach – sie sind mittlerweile noch seltener geworden als Urlaubspostkarten.

Müssen wir uns jetzt also Sorgen machen um das putzige kleine Klammeräffchen? Ich denke nicht. Das @ hat mittlerweile seine Evolution gemacht. Entstanden ist es wohl vor Jahrhunderten aus dem Verschmelzen der Buchstaben a und d – oder als Variante des à. Die Ur- und Frühgeschichte der Typografie ist hier unerforscht. Nachdem das Äffchen  ab dem 19. Jahrhundert zunächst in der englischen Geschäftswelt genutzt wurde, ist es nach seinem Einzug in die digitale Welt mittlerweile zum Symbol für die Anrede an sich geworden. Statt „Liebe Mausi92“,  „Hallo“ oder „Moinsen“ schreibt man in sozialen Medien, Chats und Instant Messaging schlicht und profan @mausi92. Und diese Kommunikationsformen erfreuen sich laut der Studie mit 94 Prozent bei den Jugendlichen größter Beliebtheit.

In der analogen Welt wird das @ auch immer häufiger genutzt. Immerhin mauserte sich das Klammeräffchen zum  Zeichen für die gesamte Netzwelt, zum Beispiel als international verständliches Werbesymbol für Internetcafés. Zur mündlichen  Anredeform brachte es das Zeichen aber  nicht, da bleiben wir zum Glück bei den klassischen Begrüßungen. Noch.

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erstellt am 15.Aug.2014 | 05:00 Uhr

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