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Henckes Netzwelt : Die E-Mail „Made in Germany“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Traum der sicheren E-Mail ist erstmal ausgeträumt, meint Gerrit Hencke.

von
erstellt am 09.Apr.2014 | 19:06 Uhr

Der Datenklau von 18 Millionen E-Mail-Adressen und Passwörtern in der vergangenen Woche beunruhigt erneut viele Internet-Nutzer in Deutschland. Zuerst waren es der NSA-Skandal und immer neue Enthüllungen durch Edward Snowden, die zu großer Verunsicherung führten. Drei E-Mail-Anbieter sahen sich in der Pflicht, eine sichere Adresse mit sicherer SSL-Verschlüsselung auf allen Übertragungswegen anzubieten. Die E-Mail „made in Germany“ war geboren. Telekom, GMX und Web.de werben für die Alternative zu ausländischen Diensten wie Gmail oder Yahoo, was mit einem Anstieg der Nutzerzahlen belohnt wurde, der sich nicht saisonal begründen ließ. Vorstandsmitglied Jan Oetjen von United Internet erklärte sich so die derzeitige Unsicherheit vieler Kunden.

Die E-Mail aus Deutschland ist durch die Verschlüsselung zwischen den Providern seit dem 1. April nun besonders sicher. Dabei wurde eine gesicherte Übertragung schon lange gefordert und ist in der Hinsicht nichts besonders innovatives. Der Chaos Computer Club kritisierte bereits die mangelhafte Verschlüsselung, die unter anderem nicht mehr gewährleistet wird, wenn eine E-Mail zu anderen Providern wie Yahoo oder Outlook versendet wird. Die übrigens verschlüsseln ihre E-Mails schon länger. Ebenfalls mögen die deutschen Server zwar sicher sein, Mail-Daten landen aber weiterhin unverschlüsselt auf den Servern der Anbieter.

In der vergangenen Woche ist der nächste große Datenklau bekannt geworden. Kriminelle nutzen die Daten unter anderem für Spam-Mails. 70 Prozent der Nutzer erfuhren direkt von ihrem Anbieter, ob sie betroffen sind. Mit dabei die sicheren „made in Germany“-Postfächer von Telekom, Freenet, GMX und web.de. Der Traum der sicheren E-Mail ist also erstmal wieder ausgeträumt und die deutschen E-Mail-Schreiber müssen wieder um die Weitergabe ihrer Daten fürchten. Insgesamt betrachtet ist die E-Mail aus Deutschland also eine reine PR-Farce, denn eine Verschlüsselung der Übertragung sollte in der Datenschutz-Republik Deutschland nicht erst im Jahr 2014 zum heiß umworbenen Standard gehören.

Wer weitergehen will, sollte sich nach Alternativen wie zum Beispiel „Posteo“, „Aikq“ oder„Startmail“ umsehen. Hier gibt es eine Verschlüsselung, einen hundertprozentigen Schutz aber gibt es selbst hier nicht.

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