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Nagars Netzwelt : Die digitalen Menschenflüsterer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie sind programmiert und kompliziert – und zeigen uns die virtuelle Welt: Algorithmen.

von
erstellt am 13.Mai.2016 | 14:56 Uhr

Google weiß, was man heimlich sucht, Youtube ahnt manchmal mehr über merkwürdige Vorlieben als die eigene Familie. Facebook versucht zu ergründen, was einen wirklich interessiert. Das Internet ist darauf programmiert, Nutzern genau das zu zeigen, was sie sehen wollen – schließlich soll man möglichst viel Lebenszeit damit vertrödeln. Die Digitalwelt lebt davon.

Damit das klappt, rödeln im Hintergrund hochkomplexe Programme und sortieren fleißig wie Eichhörnchen die Suchergebnisse und Statusmeldungen. Maßgeschneidert. Algorithmus nennt man das dann. Wie sie genau funktionieren, wird jeweils geheim gehalten. Nur kleine Bruchteile sind bekannt. Google schaut zum Beispiel, über welchen Standort man sich ins Netz wählt. Facebook zeigt zuerst die Posts von Leuten, mit denen man regen Kontakt hält. Youtube schlägt Videos vor, die dem eben angeschauten Kätzchenfilmchen ähnlich sind.

Das mögen Leute, denn anders als bei Blogs und Nachrichten bestimmen hier Maschinen, was interessiert und kein wie auch immer manipulativer Mensch. Umso erzürnter reagierte die Netzgemeinde auf die „Enthüllungen“ von anonymen Facebook-Whistleblowern auf dem US-Portal Gizmodo. Ein Team sei von dem sozialen Netzwerk engagiert worden, die Themen, die gerade in den Trends sind, zu beeinflussen. Ein bisschen mehr Syrien sollte in den Trends erscheinen, denn sonst wirkt das ja unseriös. Ein Mitarbeiter schob konservative US-Politiker aus der Liste und tat damit so, als wären sie kein relevantes Facebook-Thema. Und das Wort Twitter sollte aus den Trends soweit wie möglich verschwinden. Echte Handarbeit also.

Facebook hält sich zu dem Thema – man ahnt es schon – eher bedeckt, heißt es in dem Gizmodo-Bericht. Dabei ist es weniger der menschliche Anteil an sich, der stört. Jeder Blog, jede Nachrichtenseite lebt davon, dass Menschen die Welt kanalisieren und interpretieren. Es ist vielmehr der Etikettenschwindel. Wo Algorithmus draufsteht, sollte ein (selbstredend von Menschen erstelltes) Programm dahinter stecken. Und anders herum sollten bei maschinell verfassten Texten wie dem Erdbebenbericht vom „Quakebot“ der LA Times keine menschlichen Namen darunter stehen. Denn ob vom Bot generiert oder handverlesen – Mogelpackungen sind auch digital ein Betrug.


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