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Voss’ Netzwelt : Die Ausrede der Nerds

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Chaos Communication Congress findet traditionell zwischen den Jahren statt – aus gutem Grund.

„Und es geschah also, dass zu jener Zeit des Jahres alle Söhne und Töchter an die Stätte ihrer Geburt zurückkehrten, damit sie die IT-Probleme ihrer Eltern richten“ – dieser Spruch kursierte kurz vor Weihnachten auf Twitter. Ein wenig fühlt es sich tatsächlich so an, wenn ich bei der Familie am Tisch sitze und ganz beiläufig die Fragen kommen: „Mein neues Laptop hat zu wenig USB-Anschlüsse. Gibt es so etwas wie Mehrfachsteckdosen dafür?“ oder „Ist die Seite, auf der ich meine E-Mails lese, nicht meine Homepage?“

Vermutlich um der Verpflichtung zu entkommen auch noch Windows neu zu installieren, legt der Chaos Computer Club seinen jährlichen Kongress immer auf den 27. bis 30. Dezember. „Tut mir Leid Onkel Peter, ich muss jetzt leider zum Kongress. Ich kenn bei Dir in der Gegend aber jemanden, der repariert Computer für Geld.“ So kann man sich prima herausreden.

Obwohl ich noch nie dabei war, ist der Kongress auch für mich in den letzten Jahren zu Ritual geworden. Kaum bin ich nach Weihnachten wieder zu Hause, schmeiß ich den Livestream an und höre zu, wie kluge Menschen aus aller Welt über die neuesten technischen Entwicklungen philosophieren: Wie diese Technologien die Menschen noch freier machen könnten – wenn sie nur genug Ahnung davon hätten.

Selten treffen Ideal und Wirklichkeit so hart aufeinander wie hier. Denn leider gibt es viel mehr Menschen, die keine Ahnung von Technik haben und sich auch nicht dafür interessieren. Sie nutzen Whatsapp statt Signal, Facebook statt Diaspora und Windows statt Linux. Ein extra Klick für Datenschutz ist ein Klick zu viel. Welche Technologie sich durchsetzen und welche Rechte wir in einer digitalisierten Welt haben, bestimmen sie als Konsumenten und Wähler – leider nicht die paar hundert Experten beim Chaos Communication Congress.

> Steffen Voß ist Blogger aus Kiel.

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