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Lorenz’ Netzwelt : Dicke Kartoffel, kopierte Erfolge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Facebook will seinen Messenger ausbauen, um künftig noch mehr Geld zu verdienen – das ist wenig originell, aber vielversprechend.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 18:56 Uhr

Die miesesten Kerle haben oftmals die tollsten Frauen, obendrein oftmals auch noch das meiste Geld. Das mag alles ein Klischee sein – vergleichbar mit dem Gerede vom dummen Bauern und den dicken Kartoffeln. Allerdings zweifle ich mitunter schon daran, ob Intelligenz und Fleiß die Hauptzutaten für Erfolg sind; und ob wirklich immer derjenige die Lorbeeren erntet, der sie verdient hat.

Beobachten lässt sich das derzeit im Krieg der Messenger. Wer zum Beispiel vom Smartphone aus Nachrichten über Facebook verschicken möchte, wird zunehmend genötigt, sich zusätzlich die Messenger-App des Netzwerks zu installieren. Dass Facebook den Messenger überhaupt weiterentwickelt, irritiert auf den ersten Blick ohnehin schon. Schließlich hat Gründer Mark Zuckerberg erst im vergangenen Jahr Milliarden für den Konkurrenten Whatsapp hingeblättert. Nutzer zudem von der zentralen Facebook-App in den Messenger zu drängen, erscheint vollends unsinnig.

Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall. Zuckerberg und seine Manager gehen davon aus, dass im Zeitalter der Smartphones den Messengern die Zukunft gehört – und sich mit ihnen viel Geld verdienen lässt. Nämlich dann, wenn Nutzer über die App einkaufen, ihr Taxi bestellen, Geld verschicken, mit dem Kundendienst des Telefonanbieters chatten oder Plätze im Restaurant reservieren können.

Die Idee dazu ist Zuckerberg und seinen Mitstreitern nicht beim langen, kreativen Nachdenken gekommen. Sie haben einfach nach Asien geschaut. In China hat das Unternehmen Tencent rund um seine App WeChat nämlich genau so ein Bezahl-Shop-und-Alles-können-Öko-System errichtet. Seine Nutzer organisieren ihren gesamten Alltag über den Messenger – und Tencent verdient prächtig daran. Diesen Erfolg will Facebook kopieren. Vermutlich wird das Netzwerk damit sogar Erfolg haben und Tencent am Ende übertrumpfen. Dass solch’ dicke Kartoffeln fürs Kopieren aber verdient sind, bezweifle ich.

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