Neues Schulfach? : Deutsch, Mathe, Internet

Schon früh sollen Kinder und Jugendliche vor den Gefahren im Netz gewarnt werden. Fotolia
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Schon früh sollen Kinder und Jugendliche vor den Gefahren im Netz gewarnt werden. Fotolia

Innenminister de Maizière zeigt sich offen für ein Schulfach Internet, doch die Politik im Norden ist dagegen.

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05. Juni 2014, 04:00 Uhr

Auf breite Ablehnung stieß gestern in Schleswig-Holstein der Vorschlag, das Thema Internet als neues Fach an deutschen Schulen einzuführen. Dafür sprach sich Innenminister Thomas de Maizière (CDU) angesichts der steigenden Internetkriminalität aus: „Die Computerkriminalität und Betrugsdelikte im Netz nehmen stark zu“, sagte der Minister der Bild-Zeitung. Die Bürger bräuchten deshalb mehr Aufklärung über Gefahren wie Identitätsdiebstahl oder das Ausspähen von E-Mail-Adressen und Passwörtern. „Viele Initiativen, tragen ihren Teil dazu bei. Aber natürlich muss auch die Schule einen Beitrag leisten“, sagte de Maizière.

Mitschuld an dem Problem seien unter anderem die Internet-Nutzer selbst, da „viele Menschen viel zu sorglos mit ihren Daten und Informationen im Internet umgehen. Sie schützen sich im Netz nicht ausreichend und werden so zur leichten Beute für Internet-Kriminelle und Betrüger“, erklärte der Minister. 

Nach Einschätzung des schleswig-holsteinischen Bildungsministeriums spielt Medienkompetenz in diesem Bereich eine wichtige und zunehmende Rolle, „sie ist aber fachübergreifend zu sehen und auch nur unter diesem Ansatz wirkungsvoll“, sagte Pressesprecherin Patricia Zimnick. Mit dem neuen Lehrerbildungsgesetz, das noch in diesem Jahr in Kraft treten soll, wolle die Politik stattdessen bei den Lehrern ansetzen. Deren Medienkompetenz soll schon in der Ausbildung stärker gefördert werden.

Ähnlich argumentiert auch der Philologenverband: „An Schulen wird bereits Aufklärungsarbeit geleistet. Das ist eine wichtige Angelegenheit gerade junger Menschen“, sagte Sprecher Jens Finger. Schulen sollten neben den Eltern hierfür ein wichtiger Ansprechpartner sein. Statt ein neues Fach einzuführen, sei es allerdings sinnvoller, andere Fächer anzupassen.

„Schule muss auf das Leben insgesamt vorbereiten. Es kann aber nicht für jedes Problem ein eigenes Schulfach geben“, sagte Martin Habersaat  (SPD). „Schule kann viel, aber nicht alles!“

Ähnlich sieht es Anke Erdmann von den Grünen. Ihr zufolge soll Medienkompetenz in vielen Fächern eine Rolle spielen: „Das ist eine Querschnittsaufgabe.“

Auch in der Opposition sieht man ein Schulfach Internet kritisch: „Medienkompetenz ist an Schulen enorm wichtig. Aber es ist auch ein Querschnittsbereich, der am besten fachübergreifend an praktischen Beispielen vermittelt wird“, sagte Heike Franzen von der CDU. Schüler könnten sich zum Beispiel im Bereich Wirtschaft/Politik mit Ministerpräsident Torsten Albig beschäftigen und bei der Google-Recherche feststellen, dass dort ein falsches Geburtsdatum angegeben ist. „Ein Beispiel dafür, dass auf solchen Plattformen und Nachschlagewerken nicht alles stimmen muss“, so Franzen.

Der Piraten-Abgeordnete Sven Krummbeck wies darauf hin, dass die Idee von Innenminister de Maizière schon an einem personellen Problem scheitern könnte: „Mit den derzeit vorhandenen Lehrkräften ist schon der aktuelle Lehrplan nicht hundertprozentig zu erfüllen.“ Krummbeck regte an, das Thema Internetsicherheit eher in Form von Schul-Projekten zu vermitteln.

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