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Geotags : Der Welt zeigen, wo wir sind

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Millionen Menschen stellen ihre Fotos ins Internet – und den Ort der Aufnahme gleich dazu. Das Ergebnis: Listen der meistfotografierten Städte der Welt. Und eine neue Form der Selbstdarstellung.

Sie tun es am Times Square in New York. Sie tun es im Gorki-Park in Moskau. Sie tun es sogar in der heiligen Stadt in Rom: Fotografieren, hochladen, taggen. Millionen Menschen weltweit stellen ihre Bilder auf Foto-Plattformen im Internet ein und liefern die geografischen Angaben gleich mit. „Geotagging“ nennt sich das.

Wertet man diese Masse an Daten mit der geeigneten Software aus, kommt Erstaunliches ans Licht. Wer hätte schon gedacht, dass die ungarische Hauptstadt Budapest nach dieser Zählweise der am zehnthäufigsten fotografierte Ort der Welt ist? Oder dass es so gesehen mehr Fotos aus Neuschwanstein als aus Berlin gibt? Das steht jedenfalls auf der Foto-Weltkarte „Sightsmap“ von Google. Der Internetriese hat für das Ranking die Geodaten seiner Plattform Panoramio analysiert. Bis auf Straßenebene lassen sich die beliebtesten Plätze für Schnappschüsse, Selfies und Souvenirs erkunden.

Ähnlich funktioniert es bei Instagram. Der Foto-Dienst, den Facebook vor drei Jahren für mehrere Hundert Millionen Dollar aufkaufte, lässt ebenfalls eine geografische Verortung zu.

Aber warum wollen so viele Hobby-Fotografen der Welt zeigen, wo sie waren? „Fotos sind zu einem Identitätsmerkmal von Menschen geworden“, sagt Ralf Adelmann. Der Medienwissenschaftler von der Universität Paderborn beschäftigt sich seit Jahren mit dem Online-Verhalten als kultureller Form. Er sagt, das Tagging helfe bei der Suche nach Fotos, diene aber auch einer ständig wechselnden Sortierung.

Nicht nur Profis, sondern auch Amateure wollten ihre Kamera-Sicht auf die Welt zeigen, sagt Adelmann. „So spielen Lokalisierung und Ästhetik zusammen. Beispielsweise werden beliebte Touristenmotive nicht immer gleich, sondern aus einer individuellen, einmaligen Perspektive abgelichtet.“ Die Fotografie werde so von einem Medium der Vergangenheit zu einem Medium des Gegenwärtigen. Seit das Teilen der Bilder via Smartphone mit wenigen Daumenwischern möglich geworden ist, können andere die Bilder unmittelbar erfahren.

Dadurch finden die Hobby-Fotografen auf den Internet-Plattformen Anerkennung – und sei es als Teil einer analysierbaren Masse. Denn sie sind es, die New York zur meistfotografierten Stadt der Welt machen oder das Disneyland in Kalifornien zum Instagram-Trend des Jahres.

> Zur Foto-Weltkarte: http://www.sightsmap.com/

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