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Fligges Netzwelt : Der Videotext als digitaler Jutebeutel?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Teletext erfreut sich wachsender Beliebtheit – auch auf dem Smartphone.

von
erstellt am 09.Mär.2016 | 18:59 Uhr

Als ich gestern das Wort „Videotext“ in Googles Suchleiste eingab, eröffnete sich mir eine neue Welt. Nicht, dass mir die bunte Pixelwelt gänzlich unbekannt wäre. Aber dass es dieses Medium, das für mich auf einer Stufe steht mit Rauchzeichen und Keilschrift, ins Internet geschafft hat, war mir nicht bekannt. ARD, ZDF und selbst ProSieben und Co. präsentieren im Netz die kantigen Kurzinfos auf schwarzem Hintergrund. Ein Ausflug auf die ZDF-Teletext-Seite im Netz fühlt sich für mich an wie ein versehentlicher Besuch im „Bios“ – dem Software-Herz meines Rechners. Wo bin ich hier gelandet?

Nun ist meine Unwissenheit offenbar nicht wirklich repräsentativ. 8,4 Millionen Menschen sollen täglich den Videotext der ARD nutzen. Mit diesem Wissen verwundert es nicht, dass der Videotext auch im App-Store nicht fehlt. Teletext-Apps boomen, verrät Spiegel Online. Und tatsächlich: Auf Anhieb finde ich gleich mehrere Programme von Drittanbietern. Vergangene Woche hat sich auch der Österreichische Rundfunk veranlasst gesehen, eine eigene App für seinen Teletext zu veröffentlichen – nostalgische Pixel-Optik inklusive („ORF Teletext“). In dem Punkt lässt die ARD mit ihrer App „ARD-Text“ noch zu wünschen übrig. Dort gibt es zwar die textlich minimalistisch gehaltenen Inhalte, aber nicht im Retro-Stil. Als nächstes gerate ich versehentlich im ProSieben Videotext auf die Dating- und Chat-Seiten (auf der Maus ausgerutscht). Als Teenager waren sie für mich das, was ich mir heute unter dem Darknet vorstelle. Zu der Zeit galten einfach noch andere Maßstäbe, was Verbotenes angeht.

Ich bleibe dabei. Der Sinn einer Videotext-App will sich mir nicht erschließen. Sind die Nutzer die sogenannten Silversurfer? Meine Oma hat seit neustem auch ein Smartphone und nutzt WhatsApp. Den Videotext hat sie, glaube ich, vollkommen übersprungen. Vielleicht ist es ein Hipster-Trend (Gibt es die noch?), der an mir vorbeigegangen ist. So eine Art digitaler Jutebeutel. In jedem Fall hat der Videotext etwas Puristisches. Auch auf dem Smartphone.

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