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Dreyklufts Netzwelt : Der Twitterbot für Diktatoren-Flugzeuge

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Wenn ein Potentat in Genf landet, twittert „Dictator Alert“. Ein Zeichen, dass es das gute alte Internet noch gibt.

Das Internet als Ort des offenen Austauschs, von Freiheit und Demokratie: Davon träumte ich bis Mai 2013. Dann kamen Snowden, Hatespeech, Propagandabots, IS-Tötungsvideos. Das Internet war kaputt.

Nun ist das Internet für mich wieder etwas heiler. Grund ist ein Bericht, den ich im Deutschlandfunk hörte über den Informatiker Julien Pilet und den Journalisten François Pilet, zwei Vettern. (Auch „Newsweek“ berichtete) Beide betreiben auf Twitter einen Dienst, den sie „Dictator Alert“ nennen. Unter @GVA_Watcher zeigen Sie, welche Flugzeuge von welchen Herrschern auf dem Genfer Flughafen starten und landen.

Die Vermutung: Die meisten von Ihnen fliegen nicht in die Westschweiz, um das gute Einkaufsangebot zu nutzen oder die exzellente medizinische Versorgung. „Genf ist eine phantastische Stadt für Diktatoren, weil es hier internationale Institutionen gibt. Und Genf ist auch ein Ort, an dem man Korruptionsgeld parken kann. Und diese Mischung interessiert sehr", sagte François Pilet dem Deutschlandfunk.

Technisch sind die Flugzeuge leicht zu orten, da Verkehrsflugzeuge eine Kennung per Antenne abstrahlen. Die Daten sind frei verfügbar. Landet eine Maschine, die einem Potentaten zugeordnet wird, merkt das der Algorithmus und twittert.

Nicht alle Aktivitäten haben einen mutmaßlich kriminellen Hintergrund. Andere schon, etwa als Anfang November Teodoro Obiang Nguema Mangue elf Luxussportwagen ausfliegen wollte. Er ist Sohn des Präsidenten von Äquatorial-Guinea. (Bericht des Luxemburger Tageblatts)

Für mich ist der Twitterbot ein Zeichen, dass es das gute alte Internet noch gibt, in dem die kleinen Ohnmächtigen den großen Mächtigen auf die Finger schauen. Und nicht umgekehrt.

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erstellt am 06.Dez.2016 | 17:32 Uhr

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