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Dreyklufts Netzwelt : Der Staat braucht keinen Schlüssel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der deutsche Staat will Zugriff auf jede verschlüsselte Kommunikation. Das schadet der Demokratie und der Wirtschaft gleichermaßen, meint unser Kolumnist.

von
erstellt am 03.Feb.2015 | 18:04 Uhr

Folgender Fall: Eine Gruppe von Kriminellen verschickt massenhaft Mails an die Mitarbeiter eines Stahlkonzerns. Einige Mitarbeiter öffnen die Mails. Die Hacker bekommen dadurch Zugang zum Verwaltungsnetz und arbeiten sich sukzessive ins Produktionsnetz vor. Nun sorgen sie dafür, dass ein Hochofen nicht geregelt heruntergefahren werden kann. Die Anlage wird massiv beschädigt.

Das ist nicht der Plot eines fiktiven Films. Das ist so geschehen. Nachzulesen auf Seite 31 des 2014er-Berichts des Bundesamts für die Sicherheit in der Informationstechnik.

Entdeckt hat den Fall das US-Magazin „Wired“, aufgegriffen wurde er vom Spiegel-Online-Kolumnisten Sascha Lobo.

Daraus hat sich eine kleine Debatte entwickelt, immerhin bis ins Feuilleton der „FAZ“. Tenor: Bundesinnenminister Thomas de Maizière liegt völlig falsch mit seiner These, der Staat müsse zur Terrorabwehr für jede legale Verschlüsselungstechnik einen Nachschlüssel haben, Das schade der Demokratie (Constanze Kurz in der „FAZ“) und ermögliche Kriminellen erst die Hintertüren, um in kritische Produktionsbereiche eindringen zu können (Sascha Lobo auf spiegel.de).

Was mich aufregt: Wir diskutieren lauthals über die Macht von Facebook und Google. Die Kritik an der viel größeren, viel konkreteren Gefahr findet einigermaßen leise in Nischen statt: Wir haben eine Bundesregierung, die für sich das Recht reklamiert, jede verschlüsselte Nachricht, jedes verschlüsselte Netzwerk, heimlich legal öffnen zu dürfen. Ein solcher Staat tritt das Bedürfnis seiner Bürger nach Privatsphäre mit den Füßen. Und er überlässt seine Wirtschaft ungeschützt den Cyberkriminellen dieser Welt. Denn beides braucht wirksame Verschlüsselung ohne staatlichen Nachschlüssel.

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