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Fietzes Netzwelt : Der richtige Zeitpunkt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Frage, wann Kinder ihr erstes Smartphone bekommen, ist schwierig. Die besten Ratgeber sind nicht immer Erwachsene.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 18:53 Uhr

Was haben wir nicht gegrübelt: Wann bekommt das Smartphone sein eigenes Kind? Entschuldigung, aber so herum fühlt es sich doch manchmal an. Wann also ist der richtige Zeitpunkt? Dann, wenn’s alle tun? Wenn die Eltern der Freunde und Gleichaltrigen um die PrePaid-Karten-Regale schleichen und die wasserdichten Einfachhandys in den Händen wiegen? „Jetzt in der Grundschule braucht er/sie einfach eine Möglichkeit, mich zu erreichen, schon wegen der Schneestürme und ausfallenden Schulbusse…“, oder ein paar Wochen später, wenn das elterliche Alt-Smartphone den „Knochen“ in Kinderhand abgelöst hat, weil, öhm, das einen viel besseren Empfang an der Bushaltestelle hat?

Frage ich dazu die Freunde? Setze ich mich mit anderen Eltern zusammen, um ein gemeinsames Vorgehen abzusprechen? Oder sind die Lehrkräfte hier hilfreich? Andererseits wissen die wenig zur privaten Handynutzung im Unterricht, weil sie sich gerade mit dem Smartboard, der elektronischen Tafel und ihren Connection-Fehlern abmühen. Wer hilft? Die Patentante, der Sportsfreund, gar der eigene mitelternde Ehepartner? Rettung naht – jedenfalls statistisch für drei von vier Familien – mit dem Geschwisterkind.

Es kann mir genau sagen, wann Bruder oder Schwester was Mobiles zur Kommunikation brauchen. Sofort? Mitnichten! Geschwister sind die härtesten Erzieher der Welt – die älteren, weil sie selbst schon leidvoll vom Verlust des Geräts oder der Würde im Netz erzählen können. Sie haben die Spiderapp (kostenlos!), Anti-Cyber-Mobbingtraining, InApp-Käufe und Abofallen hinter sich – davon können sie auf Knopfdruck lebhaft referieren und – selbst auf das abgelegte Vaterphone erpicht – sprechen sich für eine möglichst späte Inauguration des kleinen Geschwisterchens aus. Die jüngeren, weil Eltern in Abgrenzung zum „Kleinen“ den „Großen“ ganz wunderbar die ohnehin stattfindenden Übervorteilung des älteren Kindes verdeutlichen können: Er/sie darf am Familientablet schon viel mehr, er/sie darf im Kino in mehr als die „Minions“ oder „Paddington 2“ und überhaupt: beim Taschengeld, der Pizzagröße oder Fahrradrahmen – überall ist der/die Große weiter, das reicht doch erstmal. Natürlich, solch Begründung könnte hilflos wirken, aber den Geschwistern kommt in der Vorbereitung auf Medienwelten eine gewichtige Rolle zu, zu viel für diese Kolumne, später mehr, meine Kinder brauchen jetzt mein Schreibtablet.

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.

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