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Dirks’ Netzwelt : Der Preis der Privatsphäre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unsere Privatsphäre sollte uns auch auf sozialen Netzwerken bares Geld wert sein, meint unser Kolumnist Stephan Dirks.

Kiel | Sie haben es sicher gehört: Das  sensationelle Urteil des OVG Schleswig in Sachen „Facebook“ stellt die Onlinewelt seit Tagen auf den Kopf: Bereits kurz nachdem das Gericht am frühen Donnerstagabend sämtliche „Facebook-Fanpages“ in Schleswig-Holstein für rechtswidrig erklärt und der Schleswig-Holsteinischen Datenschutzbehörde ULD in ihrem Kampf gegen den Datenkraken aus Menlo Park einen grandiosen Sieg beschert hatte, gingen die ersten Seiten vom Netz. Großraumdiskotheken, Radiosender, sogar Anwaltskanzleien: Allenthalben sahen sich Unternehmen auf Grund der völlig überraschenden Entscheidung aus Schleswig gezwungen, ihre Social Media-Aktivitäten grundlegend zu überdenken und dabei auch den eigenen Umgang mit den Daten ihrer Kunden, Hörer und potenziellen Mandanten zu hinterfragen…

So oder ähnlich mögen sich Schleswig-Holsteinische Datenschützer die Nachrichtenlage am Ende dieser Woche erträumt haben. Leider kam es aber ganz anders, wie wir wissen: Das Schleswiger Oberverwaltungsgericht hat Facebook mitnichten in die Schranken gewiesen. Aus eher formalen Gründen – der Fanpagebetreiber ist datenschutzrechtlich nicht für die Datenverarbeitung durch Facebook verantwortlich – wurde das erstinstanzliche Urteil zu Gunsten der Fanpages bestätigt. Ein weiterer Sieg für den Kraken, eine weitere Niederlage für ULD-Chef Dr. Weichert.

Aber wäre es nicht schön, wenn es anders wäre? Wenn unsere Aktivitäten in sozialen Netzwerken nicht mit allumfassender Ausspähung und Ausnutzung der Nutzerdaten verbunden wären? Um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, bräuchte es eigentlich keine Datenschutzbehörde, sondern allein Umdenken bei den Nutzern. Denn Alternativen zu Facebook existieren längst. Jüngstes Beispiel ist das Netzwerk „ello“, eine Art Anti-Facebook, welches nicht unsere Daten erheben und verkaufen will sondern zukünftig für einzelne Funktionen des Netzwerks Gebühren berechnen. Und vielleicht, nein: Ganz bestimmt sollte uns unsere Privatsphäre das wert sein.

> Stephan Dirks ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Kiel und bloggt unter www.dirks.legal

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