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Fligges Netzwelt : Der Mann hinter den Wackel-Videos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Früher waren familiäre Amateur-Filme häufig verwackelt. Heute sorgt Software für stabile Bilder.

von
erstellt am 06.Apr.2017 | 13:59 Uhr

Alter und Familienstand passen, auch ich bin jetzt in der glücklichen Lage, als stolzer Papa Familienvideos aufzunehmen. Die ersten Schritte, mit Tomatensauce verschmierte Gesichter, Rutschen auf dem Spielplatz – wenn ich das mit dem Smartphone für spätere Tage festhalte, habe ich unweigerlich Bilder von Amateuraufnahmen eigener Kindheitstage vor Augen. Diese Filmchen sind nicht hochauflösend, der Ton nicht so klar, aber es gibt viele Parallelen. Genauso wie mein Vater damals, bin auch ich heute nicht zu sehen. Aber er verrät sich jedes Mal, wenn das Bild wackelt.

Damit hat es ein Ende. Der Vater von heute – bleibt man in der nostalgischen Gefühlsduselei – verschwindet, macht er sich nicht aktiv bemerkbar. Der Grund: Bildstabilisatoren. Ich war beeindruckt, wie das Smartphone ohne mein Zutun meine Hand in einen Hightech-Kamera-Kran verwandelt. Das Bild scheint zu schweben. Kein Wackeln, kein Ruckeln. Kino-Video-Stabilisation nennt der Hersteller meines Telefons diese Funktion – und gibt mir sogleich ein unglaubliches Gefühl von Professionalität. Mit diesem Smartphone werde ich zu Roland Emmerich.

Die Tage von Wackel-Bildern sind gezählt wie die des Weißen Hauses im Emmerich-Film „Independence Day“. Mit ihnen verschwindet aber auch ein Stück Leben aus den Familien-Erinnerungen. „Tolle Technik“, denke ich zwar, aber ich kann nicht anders: In meinem Herzen brennt eine kleine Kerze für das Wackel-Video.

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