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Webstandards und Barrierefreiheit : Der „Blue Beanie Day“ und das Web für alle

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Den „Tag der blauen Mütze“ gibt es seit mittlerweile neun Jahren – doch außer ein paar Nerds kennt ihn kaum jemand.

shz.de von
erstellt am 29.Nov.2015 | 19:57 Uhr

Der Tag der blauen Mütze (engl. Blue Beanie Day) ist den meisten Deutschen wohl kaum ein Begriff. Dabei ist er seit 2007 das unverwechselbare Zeichen, für das Einhalten von Webstandards und das barrierefreie Web einzutreten. Erstmals wurde er am 26. November 2007 gefeiert. Seither findet er jährlich am 30. November statt. In diesem Jahr schon zum neunten Mal.

Der Tag erinnert daran, dass das Surfen im Internet nicht immer so einfach und problemlos war wie heute. Vielen Webnutzern ist das im Jahr 2015 nicht mehr vollends bewusst.

Nun gibt es viele sinnlose und viele kuriose „Feiertage“, die scheinbar unkontrolliert ins Leben gerufen werden. Der Tag der blauen Mütze ist dabei aber ein Ausreißer, denn seine Geschichte ist relativ gut dokumentiert und der Aktionstag erscheint mehr als sinnvoll, um auf den Hintergrund einer Selbstverständlichkeit aufmerksam zu machen. Vielen Menschen ist die große Wichtigkeit von Webstandards im Internet vielleicht gar nicht (mehr) bewusst – sie nehmen das Internet von heute als gegeben hin. Sie stören sich ab und zu an Webseiten mit blitzenden Bildchen oder einer unpassenden und schlecht lesbaren Schrift oder ärgern sich, wenn eine Webseite auf dem Handy nicht skaliert dargestellt wird. Einfach schlecht programmiert, oder?

Schnell wird vergessen, dass das Internet in den 1990ern geprägt war von verschiedenen Technologien und Inhalten, die oftmals inkompatibel zueinander waren. Unternehmen kämpften um die Etablierung ihrer Produkte als Standard. Bestes Beispiel ist der Browserkrieg zwischen Microsofts Internet Explorer und dem Netscape Navigator. Ein erster Schritt war bereits 1994 die Gründung des World Wide Web Consortiums (W3C), das einheitliche Standards zur technischen Gestaltung von Webseiten in HTML und CSS definierte. Weiterer wichtiger Aspekt war, den barrierefreien Zugang für Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten.

Die „Blaue Mützen“-Bewegung begann 2007 mit zwei amerikanischen Webentwicklern. Sie wollten mit dem Aktionstag Jeffrey Zeldman ehren, der 2003 ein Standardwerk mit dem Titel „Designing with Web Standards“ (Gestalten mit Webstandards) veröffentlichte. Inhalt: Eine Definition, wie im Internet die Auszeichnungssprache HTML (Hypertext Markeup Language), die Stylesheet-Sprache CSS (Cascading Style Sheets) und die Skriptsrpache Java Script flächendeckend Anwendung finden sollten. Mit seinem Buch ebnete er den Weg für die heutigen Webstandards im Internet. Und so kann heute (fast) jeder Browser Webseiten richtig darstellen. Das geht nur dank einer gemeinsamen Definition der Hypertext Markup Language.

Hintergrund: HTML, CSS und Java Script

HTML

HTML (Hypertext Markup Language) ist die Grundlage des World Wide Web. HTML ist eine textbasierte Auszeichnungssprache. Mit ihr werden digitale Dokumente wie zum Beispiel Texte, Hyperlinks oder Bilder semantisch strukturiert, nicht aber formatiert (visuelle Darstellung).

CSS

Cascading Style Sheets ist eine weitere Kernsprache des World Wide Web. Mit dem CSS wird das Aussehen bzw. die Darstellung eines Dokuments (zum Beispiel einer Webseite) in einer separaten Datei, dem Stylesheet, festgelegt. Zum Beispiel das Layout oder Farben.

Java Script

JS ist eine Zusatztechnik, um HTML-Dokumente während der Anzeige im Browser dynamisch zu verändern.

 

Im Video erklärt Zeldman (auf Englisch), warum wir Web Standards unbedingt brauchen:

Auch das barrierefreie Web ist nur durch gemeinsam definierte Richtlinien (Web Content Accessibility Guidelines, WCAG) zu dem geworden, was es heute ist. Webseiteninhalte sollen zum Beispiel für Blinde, Sehbehinderte, Gehörlose, Menschen mit Spachbehinderungen oder kognitiven Einschränkungen ebenso konsumierbar sein wie für gesunde Menschen. Das reicht von der Textgröße bis hin zur Navigation.

Und was hat es nun mit der blauen Mütze auf sich? Die Antwort ist einfach. Auf dem Cover seines Buches trägt Zeldman eine blaue Mütze. Heute ist sie ein Symbol der Bewegung für Webstandards geworden.

Jeffrey Zeldman und die blaue Mütze.

Jeffrey Zeldman und die blaue Mütze.

Foto: Screenshot/Bonanza.com
 

Am „Blue Beanie Day“ am Montag (30. November) sind alle Internetnutzer erneut dazu aufgerufen, ein Portraitfoto mit blauer Mütze von sich zu machen und dies in den sozialen Netzwerken einzustellen. Damit wird das Bestreben, einheitliche Webstandards durchzusetzen, unterstützt und Webdesigner und Programmierer bekommen ein öffentliches Gesicht. Auf Instagram und Twitter ist bereits der Hashtag #bbd2015 eingerichtet. Wer keine blaue Mütze sein eigen nennt, kann auf dem offiziellen Blog eine Photoshop-Datei herunterladen. Sie enthält das Bild einer blauen Mütze, das sich einfach über das eigene Profilbild stülpen lässt.

In diesem Sinne:

Blue Beanie, die blaue Mütze.

Blue Beanie, die blaue Mütze.

Foto: bluebeanieday.tumblr.com

 

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