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Fietzes Netzwelt : Der Alltag im Netz: Nicht wundern – mitreden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wo tun Medien gut? Die Jugend-Studie JIM führt einige Phänomene zutage.

Uns Medienpädagogen wird im Winter gern mal grün vor Augen: Grün ist nämlich die designmäßig vorherrschende Farbe der alljährlichen JIM-Studie zur Mediennutzung bei Jugendlichen.

Und was nutzten die Kids von zwölf bis 19 Jahren im Jahr 2015? Facebook? Geschenkt – gehört zur Grundausstattung. Whatsapp? Unbedingt! Eine App übrigens, die die Generationen zusammenführt. Jedenfalls im Verständnis für intensiven Gerätegebrauch: Das Kopfschütteln der „älteren“ Generation (das sind wir, die Ü40er) über die angeblich absurde Dauerpräsenz der Smartphones und das unablässige Nachrichten-Checken der Jüngeren ist weniger geworden. Wir sind zusammengerückt seit auch Familienoberhäupter und Jugendzentrumsmitarbeiter und vereinzelt Klassenlehrer nicht mehr ohne können. Whatsapp-Absprachen zur Familienkoordination, zur Ansage im Sportverein, zum Kontakten in der Jugendarbeit – Alltag.

Was also ist neu? Junge Jugendliche haben fast die gleiche Medienausstattung wie ältere. Klasse? Bedenklich? In jedem Fall muss Medienbildung früher anfangen als vor fünf Jahren. Erste Kurse zu Datenschutz und Cybermobbing sind in der siebten Klasse zu spät. Schon ein Grundschulkind muss wissen, wo es wann klickt und zustimmt, postet, etwas von sich preisgibt oder mal bewusst medienabstinent bleibt. „Die Perversen klick ich immer sofort weg!“, schockierte vor einigen Jahren mal eine Fünftklässlerin ihre Lehrerin. Klar, wir wollen nicht, das ein Kind diese Fähigkeit schon braucht. Aber immer häufiger sollen doch Medientrainings richten, was eigentlich in jeder Familie besprochen werden muss: Wo tun Medien gut, wo transportieren sie gefährdende Inhalte?

Ein anderes Phänomen ist – wenig überraschend – im Fokus der Studie 2015 angekommen: Youtube und die deutschen Youtuber. Eine hochkommerzielle Gemeinschaft – LeFloid, Gronkh, die Außenseiter, Sami Slimani oder Dagi Bee (einfach mal googlen und anschauen, zehn Minuten muss jeder ertragen) transportieren viel in deutsche Jugendzimmer – Meinungen, Weltsichten, Produktwerbung.

Wundern Sie sich nicht über die immensen Einflüsse auf Ansichten und Themen ihrer Kinder sondern reden Sie mit. Gehen Sie selbst mal auf die Pirsch – im Netz und in der JIM-Studie unter www.mpfs.de, auch wenn Ihnen dann ebenfalls grün vor Augen wird. Nehmen Sie’s als Vorbote für die tannengrüne Weihnachtszeit – übrigens eine Hoch-Zeit der Mediennutzung bei Kids. Vielleicht, weil die Eltern gerade ihr neues Tablet ausprobieren?

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.
 

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