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Fligges Netzwelt : Dating via „Hater“: Hassliebe per App

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zusammen lästert’s sich am besten: Eine neue Dating-App verbindet Menschen mit gleichen Abneigungen.

von
erstellt am 16.Feb.2017 | 10:46 Uhr

Hass ist Zeitgeist – vor allem im Netz. Das merkt man spätestens, seit der Hass auch zum Marketinginstrument taugt. Da möchte ein Start-up eine Dating-App auf den Markt bringen. Im ersten Moment klingt das genial. Aber dann merken die Gründer, dass es ungefähr so viele Dating-Apps wie Friseure und Apotheken in Deutschland gibt. Eine Nische muss her, etwas Verwegenes! Hat schon jemand mit Hass geworben? Nein? Na dann ... „Hater“ heißt die App, die Menschen zusammenbringen will, die die selben Dinge hassen. Und es funktioniert – also das mit dem Marketing. Die Downloads stimmen. Der Rest ist leider fragwürdig.

Ein kurzer Test: Zunächst muss die App wissen, was der Nutzer hasst, der eigentlich auf der Suche nach trauter Zweisamkeit ist. „Traurige Musik“, „Selfies vom eigenen Hintern“, „Investment Banker“, „Tofu“, „natürliches Deo“ – das sind die ersten Themen, über die sich anscheinend ein psychologisches Profil erstellen lässt. Der Nutzer wischt übers Display und entscheidet so, ob er diese Dinge „hasst“, „nicht mag“, „gut leiden kann“ oder sogar „liebt“ (ohne Liebe geht es doch nicht). Die App sucht dann nach Übereinstimmungen mit anderen „Hatern“.

Über 2500 Themen soll die Dating-App zur Auswahl bieten. Meist gehasst wird übrigens Donald Trump. Die Nutzerschaft ist allerdings nicht sehr groß. Als Ergebnisse werden Kontakte in 5000 Kilometern Entfernung angezeigt. Dabei hat im Test „Im Flugzeug schlafen“ ein Hass-Stempelchen bekommen. Aber das ist nicht das Einzige, was man an dieser App hassen kann.

Die Anmeldung funktioniert nur über Facebook. Wer dort nicht angemeldet ist oder Bedenken hat, seine Vorlieben und Abneigungen in Verbindung mit einem Netzwerk zu bringen, das mit personalisierter Werbung sein Geld macht, ist aus dem exklusiven Kreis der „Hater“ ausgeschlossen. In den dürfen auch nur Besitzer eines iOS-Gerätes. Der Rest braucht nicht traurig sein. Wer weiß, wann Bundesjustizminister Heiko Maas nach Hasskommentaren auf Facebook auch das Hass-Dating ins Visier nimmt. Wer trotzdem Menschen mit gleicher Wellenlänge sucht, dem sei eine Demo empfohlen. Ganz ohne App.

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