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Software „Shore“ : Datenbrille für Autisten zeigt Gefühle und soll den Alltag erleichtern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Fraunhofer Institut möchte den Alltag von Autisten erleichtern. Mit einer bekannten Software auf der Datenbrille.

von
erstellt am 19.Feb.2015 | 07:28 Uhr

Erlangen | Schaut jemand traurig oder fröhlich, verärgert oder überrascht? Was die meisten Menschen mit einem Blick erfassen, fällt Autisten extrem schwer. Meist müssen sie langwierig lernen, was ein Lächeln oder Stirnrunzeln bedeutet.

Eine Software des Fraunhofer-Instituts in Erlangen könnte autistischen Menschen den Alltag erleichtern. In eine Datenbrille eingebaut, zeigt sie dem Träger nicht nur, ob sein Gegenüber eine Frau oder ein Mann ist und sein ungefähres Alter. Auch grundlegende Emotionen kann das Programm erkennen: Bei einem breiten Lächeln zeigt sich neben dem Wort „Happy“ ein roter Balken. Formt sich der Mund zu einem O und werden die Augen aufgerissen, soll der Balken bei „Surprised“ (überrascht) ausschlagen. Perfekt funktioniert das Ganze zwar nicht, doch die Fraunhofer-Software „Shore“ (Sophisticated high speed object recognition engine) und ähnliche Programme liegen zumindest bei den sogenannten Basis-Emotionen Ärger, Trauer, Angst, Freude, Überraschung und Ekel ziemlich richtig. „Studien haben gezeigt, dass diese in etwa 90 Prozent der Fälle korrekt angezeigt werden“, sagt die Berliner Emotionsforscherin Isabel Dziobek. Und das ist schon erstaunlich, denn „Menschen können um die 100 Emotionen im Gesicht ausdrücken“, sagt die Psychologin.

Jens Garbas vom Erlanger Fraunhofer-Institut und sein Team arbeiten seit rund zehn Jahren an der Software. Das Prinzip dahinter ist maschinelles Lernen. Die Forscher haben das Programm mit mehr als 30.000 Beispielbildern gefüttert und hinterlegt, ob Mann oder Frau zu sehen ist, wo sich Mund, Nase und Augen befinden und welche Emotion zu sehen ist.

Von Konsumforschern wird die Software bereits zur Werbewirkungs- und Marktforschung eingesetzt. Sie können damit etwa erfassen, wie Menschen auf einen Spot reagieren und welche Szenen positiv oder negativ bewertet werden. Es gibt bereits Fotoapparate, die erst auslösen, wenn das Motiv lächelt.

Auch in Geschäften wird solche Software genutzt. Die Läden können so erfahren, ob eher Frauen oder Männer kommen, in welchem Alter die Kunden sind, zu welcher Tageszeit sie kommen und wie sich die Kunden im Geschäft bewegen. Ein Schild zur Videoüberwachung reiche hier als Hinweis, erklärt Garbas. Datenschutz-Probleme sieht der Fraunhofer-Forscher nicht. „Die ganze Berechnung findet im Gerät statt, und die Info wird ohne Bezug zur Person gespeichert.“ Identifiziert werden die Menschen also nicht. Auch Miriam Meder vom bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht sieht wenig Probleme, weil keine Daten die Brille verlassen. Eine Einverständniserklärung der Nutzer sei nur nötig, wenn Bilddaten oder andere personenbezogene Daten gespeichert oder weitergegeben würden oder wenn ein Drittanbieter etwa einer App hinzukomme.

Die neueste Idee der Erlanger ist, die Software auf eine Datenbrille aufzuspielen und so für Autisten zu nutzen. Friedrich Nolte vom Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus hält die Idee grundsätzlich für sinnvoll. So eine Brille könne Autisten helfen, wenn sie zu einem Termin mit Fremden gehen: „Wenn man die Leute nicht kennt, ist es schwieriger, ihre Gefühle einzuschätzen.“ Dennoch bleibe die Brille eine Krücke. Nolte hält es für sinnvoller, Autisten mit Übungsprogrammen beizubringen, Emotionen selbst zu erkennen: „Eine Sprache zu lernen ist natürlich besser, als einen Simultanübersetzer danebenstehen zu haben.“

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