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Fligges Netzwelt : Das Wort muss reichen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Einsatz von Familien-Apps sollte eine goldene Regel gelten, meint Kolumnist Tobias Fligge.

Mein erstes Handy habe ich mit 17 Jahren bekommen. Wenn ich mir heute das Angebot von Familien-Apps ansehe frage ich mich deshalb: Wie haben meine Eltern und ich nur meine Kindheit überstanden. Dafür, dass ich den nervigen Keyboard-Unterricht besuchte, konnte ich meinen Eltern nur mein Wort geben. Sie mussten mir vertrauen, genauso wie ich meinen Eltern vertraute, dass sie nicht meine Notizbücher oder gar E-Mails lesen.

Nicht immer ist das technisch Mögliche auch sinnvoll. Deswegen gehen die meisten Familien-Apps nicht so weit, Zugriff auf Fotos oder Nachrichten zu gewähren. Andernfalls würden sie auch in die Rubrik Spionage-Software fallen. Wer es allerdings wirklich darauf anlegt, findet diese Möglichkeiten.

Nutzer von Familien-Apps, sollten zumindest über die Auswirkungen auf den Familienfrieden nachdenken. Ein hilfreicher Anhaltspunkt ist die Frage: „Was hätte ich meinen Eltern als Kind oder Teenager über meine Privatsphäre uneingeschränkt offengelegt?“ Wer in diesem Bewusstsein und in Absprache mit Sohn oder Tochter handelt, kann von den Diensten profitieren. Aber nur dann.

Bleibt noch die Frage der Datensicherheit: Viele dieser Apps stammen aus den USA. Sie unterliegen nicht den deutschen Datenschutzbestimmungen. Die Entwickler dort haben deutlich mehr Freiheiten beim Sammeln und Kombinieren der Daten. Bei Verstößen gegen das deutsche Datenschutzgesetz sind sie kaum zu fassen.

Darüber hinaus werden gerade über Familien-Apps noch viel stärker als bei Fitness-Apps sensible Informationen geteilt, die in die Privatsphäre gehören. Bei Sport-Apps stellte der Sicherheitsanbieter Symantec einen sorglosen Umgang mit Kundendaten fest. Demnach hätten Angreifer es sehr leicht, mit Hilfe von Bluetooth-Empfängern Persönlichkeits- oder Bewegungsprofile der Nutzer zu erstellen. Das lässt sich nicht für andere Apps pauschalisieren, aber es sollte trotzdem sensibilisieren.  Werden schon von nur einem Familienmitglied die Nutzerdaten gehackt, macht das die ganze Familie überwachbar. Für Kriminelle ist es dann umso leichter, Bewegungsprofile zu erstellen. Auch effektive Verschlüsselungssysteme der Anbieter helfen dabei nicht.

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erstellt am 28.Aug.2014 | 05:00 Uhr

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