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Fietzes Netzwelt : Das Web bleibt nicht stehen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mitmachen statt zugucken: Über das Internet lernt man am besten im Internet.

Fangkorb, Mulchen oder Seitenauswurf – keine einfache Entscheidung. Aber sie bestimmt auch in diesem Frühjahr so manches Gartenbesitzers Wertekosmos: Wohin mit dem Gras, das so sich so mühsam als englischer Rasen rund ums Eigenheim gen frostigem Frühlingshimmel reckt?

Ach… Sie haben gar keinen Garten? Für mich unvorstellbar. Dann brauchen Sie ja auch gar keinen Rasenmäher, keine 95er Schnittbreite mit hydraulischer Mähwerkeinstellung, keine hybride Schnittgutentsorgung… krass.

Wir leben selbst in Schleswig-Holstein schon in ganz unterschiedlichen Welten. So ähnlich muss es wohl den vielen Ü30ern gehen, die zur Zeit auf Snapstorys, Musically und Twitch-Channel starren und den Kopf darüber schütteln, das sich das Netz nach Wikipedia und WhatsApp einfach immer weiter dreht. In Kiel, schrieb am Freitag ein bundesweites Blatt, sitzt eine junge Frau, die ihr Geld mit dem Sich-beim-Gamen-filmen verdient. Hunderte von Abonennten donaten also spenden fast minütlich um die Spielerin zu motivieren oder besondere Spielzüge anzuerkennen. Krass? Unvorstellbar?

Hunderte vernunftbegabter Alltagsmenschen verdienen sich in Kiel, Marne, Krieseby oder Hademarschen ziemlich gut was dazu in Netz. Nicht beim Verkauf gebrauchter Mulchmesser für den Rasenmäher auf Ebay oder beim Entrümpeln des Bücherregals mit ReBuy und Handyscanner. Nein – Unterhaltung im Netz ob über Auspackvideos auf Youtube (Stichwort „Unboxing“) oder live gestreamtes Gamen mit Rückkanal,  also mit Kommentaren und Spenden der Zuschauer ist ein Wirtschaftsfaktor.

Nichts gegen die Verkaufszahlen von Handrasenmähern im Landhandel vielleicht, aber es sorgt für das WG-Zimmer, für einen Gebrauchtwagen, für den Japantrip, das Studium oder die neue Schrankwand. Man muss nicht die Schule abbrechen, um Youtuber zu werden und der Monetarisierungsfunktion des Anbieters echte Euros zu entlocken. Man braucht kein Marketingstudium um crossmedial die Follower in direkten oder indirekten Cashflow zu verwandeln. Im Gegenteil: Frühes Erproben ist ein gutes Lehrstück über Werbemechanismen und Kundenbindung, über echt und inszeniert im Web und über eine ausgereifte Gegenstrategie bei Sehnsucht nach Privatheit – auch Twitch hat es zuverlässig oben rechts. Das Häkchen zum Schließen des Softwarefensters. Medien bewegen sich weiter und die Kompetenz der Sender und Empfänger nicht selten ebenfalls.

Übrigens: Neumodisch geht’s ja in jeder Branche – in 2017 fährt man Rasenmähroboter mit Wechselkarosserie und App-Connection – noch ohne Webcam an Bord.

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.
 

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