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Maas’ Netzwelt : Das Smartphone zückt die Peitsche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Oft machen Smartphones das Leben einfacher. Wenn sie aber ein Elektroschock-Armband lenken, hört der Spaß auf.

Prokrastinieren Sie auch? Das ist das etwas intellektuellere Wort für Aufschieben. Beispiele gefällig? Als Studentin habe ich erst für Klausuren gelernt, wenn es schon fast zu spät war. Eigentlich müsste ich auch mal wieder Fenster putzen. Oder mich im Fitnessstudio austoben. Aber das Sofa lockt. Oder ich mache mir noch einen Tee, trinken ist schließlich auch wichtig. „Morgen ist auch noch ein Tag“, das ist so ein typischer Prokrastinierer-Spruch.

In den USA, dem Land der unbegrenzten Optimierungsmöglichkeiten, hat ein Unternehmen jetzt ein Elektroschock-Armband für Menschen wie mich erfunden. Das Armband soll über Bluetooth mit einer Smartphone-App kommunizieren, berichtet die Zeitung „Boston Globe“. Die Ortungsdienste verraten zum Beispiel, ob der Delinquient pünktlich zur Arbeit kommt oder noch im Bett liegt.

Jeder kann übrigens selbst bestimmen, wie er sich von seinem Smartphone bestrafen lassen will: Vibrationsalarm, Piepen oder Elektroschocks von bis zu 340 Volt. Ein Bußgeld an Bekannte zahlen, das eigene Telefon sperren – geht auch. Über Hänschen verhängte Mama noch das Fernseh- oder Konsolenverbot. Hans regelt das selbst. Ein bisschen beängstigend finde ich das schon. Das Gerät heißt auch noch „Pavlok“. Wenn Sie jetzt an die Pawlowsche Konditionierung aus dem Bio-Unterricht denken, liegen Sie richtig. Der russische Forscher Iwan Pawlow beobachtete 1918, dass ein Hund sich durch Verknüpfung bestimmter Reize konditionieren lässt. Ich will kein Hund sein. Ich will mich auch nicht von meinem Smartphone zum Aktionismus erziehen lassen. Denn Leute, die auch mal nichts tun können, sind kreativer – das ist wissenschaftlich belegt. Ich genieße also meinen freien Willen und putze die Fenster nächsten Samstag. Ganz bestimmt.

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erstellt am 21.Okt.2014 | 09:20 Uhr

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