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Dreyklufts Netzwelt : Das Manifest gegen die Krake

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Kampf gegen Datenkraken mag noch ein Randthema sein. Das heißt nicht, dass daraus kein gesellschaftlicher Konsens entstehen kann, meint unser Kolumnist.

In den 70er-Jahren waren die meisten Menschen sehr zufrieden damit, wie die Welt sich entwickelt hatte. Atomkraft, Autobahnen, industrielle Landwirtschaft schafften einen ungeahnten Wohlstand.

Durch Sauren Regen, Waldsterben und  Strahlengefahren entwickelte sich an einem  Rand der Gesellschaft allerdings ein Bewusstsein dafür, dass es so nicht weitergehen könne. Der Konsensbegriff dieser Gruppe hieß Umweltverschmutzung. Das Schlüsselerlebnis war der Atomunfall in Three Mile Island bei Harrisburg. Das Zentrum der Bewegung, deren Ansichten in weiten Teilen heute Mainstream  sind, war Deutschland.

Eine vergleichbare Bewegung versucht sich gerade wieder zu konstruieren, weil wieder an einem Rand der Gesellschaft ähnliche Angst herrscht wie damals: die Angst vor den Datenkraken. Dieser Rand ist allerdings heute nicht im linksalternativen, sondern im konservativ-intellektuellen Milieu zu finden.

Umweltverschmutzung heißt heute „Überwachungskapitalismus“. Diesen Begriff versucht die eremitierte US-Computer- und Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff von der Harvard Business School  zu etablieren. Der Saure Regen heißt Google, Harrisburg ist heute die NSA-Affäre.

Geschichte wiederholt sich nicht, das weiß natürlich auch Zuboff. Dennoch sind die Reminiszenzen an die Ursprünge der Öko-Bewegung in ihrem recht sperrig zu lesenden Manifest  „Lasst euch nicht enteignen!“, das vergangene Woche im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschien, überdeutlich.

Beispiel: „In einer alternativen sozialen und juristischen Ordnung würden Überwachungsgüter zu toxischen Werten, welche die globalen Datenströme durchsetzen“, schreibt sie. Die USA hat Zuboff als Basis einer Gegenbewegung aufgegeben, sie setzt auf Deutschland. Und macht sich über eine Geschichte im „Economist“ lustig, die sich über „Deutschlands Googlephobie“ lustig gemacht hatte. Und beweist historisches Bewusstsein mit Verweis auf eine Äußerung des erzkapitalistischen Wirtschafts-Nobelpreisträgers Milton Friedman, dass neue Gesetze immer auf Änderungen der öffentlichen Meinung folgen, die 20 oder 30 Jahre zuvor eingetreten sind.

Geschichte wiederholt sich nicht, auch nicht die Geschichte der Ökopax-Bewegung. Aber sie beweist, dass aus Randthemen gesellschaftlicher Konsens entstehen kann. Vielleicht sehen wir einmal Shoshana Zuboff als die Petra Kelly des Kampfes gegen die Datenkraken.

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erstellt am 24.Sep.2014 | 04:15 Uhr

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