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Digitales lernen : Das Klassenzimmer als Medienlabor

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Schleswig-Holstein sind Tablets an Schulen noch die Ausnahme. Experten diskutieren in Kiel über das digitale Lernen.

Ob für mathematische Berechnungen oder die Präsentation im Biologie-Unterricht – Tablets im Schulalltag sind unter Pädagogen, Eltern und Schülern ein heiß diskutiertes Thema. „Das digitale Lernen liegt im Trend“, sagt Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Erziehungswissenschaftler an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. „Zurzeit wird dabei aber noch mehr über die Geräte diskutiert, als über die pädagogische Einbettung.“ Aufenanger forscht über den Einsatz von Tablet-PCs im Unterricht und spricht am kommenden Mittwoch im Kieler Landeshaus neben anderen Experten über digitales Lernen in der Schule.

„Während in anderen Ländern der Einsatz von Tablets längst selbstverständlich ist, steht Deutschland bei diesem Thema noch in den Startlöchern“, erklärt er. „Aber einige Schulen laufen schon“, fügt Anke Erdmann (Grüne) hinzu. Die Politikerin ist Vorsitzende des Bildungsausschusses und Moderatorin der Veranstaltung. Während Hamburg jüngst sechs Schulen mit Geräten für das digitale Klassenzimmer ausstattete, sind in Schleswig-Holstein die Schulen auf sich alleine gestellt. Trotzdem gibt es Schulen im Land, die auf eigene Initiative schon länger mit dem Einsatz von Tablet-Geräten experimentieren.

Das pädagogische Potenzial ist groß, so Aufenanger. Tablets würde alle medialen Möglichkeiten, die Lehrer im Unterricht brauchen, in einem Gerät vereinen. „Man kann im Wald Daten erheben und sie direkt vor Ort auswerten.“ Das von Schulbuchverlagen angebotene Unterrichtsmaterial hinke diesen Möglichkeiten jedoch hinterher und sei noch nicht so weit, dass es sich flächendeckend einsetzen lasse.

Aber nicht nur Hard- und Software sind wichtig, betont Stefan Aufenanger: „Man darf davon nicht zu viel erwarten. Schlechter Unterricht wird auch durch digitale Medien nicht besser.“ Häufig würden Schulen zuerst die Geräte anschaffen und dann überlegen, wie Lehrer damit umgehen sollen. „Alle unsere Projekte über digitale Medien zeigen: Wenn Lehrer sie nutzen möchten, müssen sie viel schüler- und problemorientierter arbeiten.“ Es helfe also nicht, den Frontalunterricht nur mit anderen Mitteln fortzuführen.

Diese Einstellung teilt auch Anke Erdmann von den Grünen: „Tablets im Unterricht bringen nur dann einen Mehrwert, wenn die Lehrkräfte es wirklich wollen.“ Sie lobt Projekte wie die iPad-Klasse des Gymnasiums Kronshagen. Es ist eines der wenigen Pilotprojekte in Schleswig-Holstein. Die Schüler dort nutzen die Geräte seit zwei Jahren unter anderem für Multimedia-Projekte wie vertonte Gedichtinterpretationen. Und das mit Erfolg: „Die Tablets machen unsere Unterrichtseinheiten immer spannender. Sie sind bei Schülern und Lehrern sehr beliebt“, berichtet Nicole Haferlandt, Lehrerin am Gymnasium. Über eine interne Kommunikationsplattform können die Schüler Daten speichern und austauschen. Das machen den Unterricht nicht nur multimedial, sondern auch mobil.

Die Deutsch- und Mathelehrerin sieht beim digitalen Lernen in Schleswig-Holstein trotzdem Verbesserungsbedarf. Die finanzielle Lage an den Schulen sei angespannt und die Geräte müssen nicht nur angeschafft, sondern auch gewartet werden. Aber vor allem Lehrern müsste das Land noch besser die Angst vor der neuen Technik nehmen: „Ich würde mir wünschen, dass es im Norden mehr Möglichkeiten für Weiterbildung in diesem Bereich gibt. Lehrer müssen die Gelegenheit bekommen, das Medium auszuprobieren, aber auch zu reflektieren.“

„Digitales Lernen in der Schule“, offene Veranstaltung des Bildungsausschusses am Mittwoch, 24. September, um 15 Uhr im Landeshaus. Weitere Informationen: http://bit.ly/1v0sO9o

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erstellt am 19.Sep.2014 | 19:23 Uhr

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