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Christiansens Netzwelt : Das ist seltsam, Nintendo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit der Konsole „Switch“ veröffentlicht der Hersteller auch einen Baby-Simulator.

Das Zimmer ist quietsch-rosa gestrichen, eine Frau mit roter Schürze, blass-rosa Bluse und verklärtem Lächeln auf dem Gesicht wiegt etwas in ihrem Arm. Etwas, das schreit und quengelt. Klar: ein Baby. Aber kein süßes. Der „Awwww“-Effekt bleibt jedoch nicht deswegen aus, weil der Säugling heulend das Gesicht verzieht – das gehört ja dazu. Sondern weil er irgendwie gar kein Gesicht hat.

Die Simulation für Nintendos neue Konsole „Switch“ ist gruselig. Das Bild auf dem Display ist milchig und verschwommen, dort wo der Mund des Säuglings sein sollte, ist nur ein dunkles Loch zu sehen.

Als Spiel mit Hausfrauen- oder Übermutter-Klischees lässt sich der Spot des Herstellers wohl nicht entschuldigen. Nintendo scheint es ernst zu meinen. Der Baby-Simulator ist eines der Spiele, die mit der neuen Konsole Anfang März an den Start gehen – und uns an das Gerät fesseln sollen.

Seit jeher versuchen die Hersteller, uns an die Spiele und somit auch an Konsole, Smartphone & Co zu binden. Das gelang in den 90er Jahren mit dem Tamagotchi, dem eiförmigen Plastik-Haustier, das regelmäßig gefüttert werden musste (wie viele bis heute überlebt haben, ist unklar).

Auch Nintendo scheint mit dem Baby-Simulator den Spieler in Dauerbereitschaft versetzen zu wollen. Doch ob noch andere Gamer dazu bereit sind, sofort alles stehen und liegen zu lassen und zu dem gesichtslosen Schreihals ans Kinderbett zu flitzen, um sein Plastikgehäuse so lange zu schaukeln, bis er wieder einschläft – so wie die sich aufopfernde Mama mit der roten Schürze aus dem Werbespot? Das wäre doch sehr seltsam.

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erstellt am 13.Feb.2017 | 09:24 Uhr

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