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Christiansens Netzwelt : Das Internet ist schuld: Harte Zeiten für den Weihnachtsmann

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Internet ist voller Informationen. Manchmal stoßen Nutzer dort auf die harte Wahrheit – auch die Jüngsten.

von
erstellt am 02.Dez.2015 | 18:41 Uhr

Kostenlos-Kultur, Verrohung der Nutzer, Förderung von sozialer Isolation: Das Internet hat regelmäßig gegen Vorwürfe zu kämpfen, es zerstöre unsere Werte und stürze unser Dasein hier auf Erden in die Bedeutungslosigkeit – überhaupt unsere Gesellschaft ins Verderben. Alter Hut. Jetzt aber geht es ans Eingemachte, denn das World Wide Web nimmt dem Nachwuchs auch noch den Glauben an den Weihnachtsmann.

Ja, richtig gelesen: Wo ehemals der Zufall der Böse war, weil er dafür sorgte, dass der Enkel den Opa beim Verkleiden hinter der Küchentür erwischte und so den Schwindel um den untersetzten Mann im roten Kostüm aufdeckte, ist laut einer Umfrage des VPN-Anbieters Hide my Ass jetzt das Internet dafür verantwortlich. 82 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass es für Kinder wesentlich einfacher geworden ist, die Wahrheit über den Weihnachtsmann herauszufinden als damals für sie selbst. Der Grund: die ständige Internetverbindung. Im Alter von durchschnittlich 6,61 Jahren beginnen Kinder heute zu zweifeln – rund ein Jahr früher als Mutti und Vati selbst.

Doch dem Internet ist eigentlich nichts vorzuwerfen – es macht nur seinen Job. Eine seiner wichtigen Eigenschaften ist doch aufzuklären. Mich wundert vielmehr, dass Kinder mit sechs Jahren sich scheinbar unbehelligt ergooglen können, was sie möchten. Statt das Medium zu verurteilen, sollten wir unsere Kinder besser vor nicht altersgemäßen Inhalten und maßlosem Konsum schützen.

Um dieser „traurigen Zäsur im Leben der Kinder“ vorzubeugen, hat die Firma sogar eine Lösung parat: eine Software nämlich, die die „Kinder vor der Wahrheit schützt“. Sie überwacht Suchergebnisse, Webseiten oder Social-Media-Kommunikation – und sperrt eben alles, was dafür sorgen könnte, dass das Kind den Geschenke-Onkel infrage stellt.

Interessant, dass wir scheinbar noch mehr Technik brauchen, um den Nachwuchs-Surfern ein Gefühl für die richtige Internet-Dosis zu vermitteln. Dabei sollten wir aufhören, dem Netz die Schuld in die Schuhe zu schieben, und stattdessen anwenden, was unsere Gesellschaft am Laufen hält: begleiten, erklären und (kritische) Fragen zulassen – auch schon bei den Jüngsten.

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