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DIY-Phone : Das Handy aus dem Baukasten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einen Monat lang können Bastler in St. Pauli von Fachleuten lernen, wie sie sich ein einfaches Handy selber zusammenbauen.

Handys selber bauen? In einem umfunktionierten Container in Hamburg-St.Pauli können das seit dieser Woche auch Laien: Wie man ein komplettes funktionsfähiges Mobiltelefon montiert, wird beim Projekt „Fábrica“ in Kursen gezeigt. Organisiert wird das Projekt von „Fabulous St. Pauli“, einer offenen Werkstatt, die seit 2011 zu verschiedenen Themen Kurse und Veranstaltungen anbietet. „Das DIY-Phone ist ein vollwertiges Handy – reduziert auf das Wesentliche“, sagte der Sprecher des Projekts, Niels Boeing.

Vorbild für das Gerät ist das von David Mellis vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte „DIY-Cellphone“ – dieser plante das Gerät im Rahmen seiner Doktor-Arbeit. Die Bauanleitung steht für jeden frei zugänglich und kostenlos im Internet.„Wir gucken, dass wir nicht zu viele Technikfreaks dabei haben, sondern auch Leute, die aus ganz anderen Bereichen stammen“, sagte der Sprecher. Eine Geigenbauerin und ein Lederschneider hätten sich bereits für den Workshop angemeldet. Maschinen für die digitale Fertigung, wie Lasercutter oder SMD-Schablonendrucker sowie Tastaturknöpfe, Kondensatoren und Displays werden gestellt. Mitbringen müssen die Teilnehmer nur ein wenig Fingerfertigkeit sowie rund drei Stunden Zeit.

Die Geräte großer Hersteller seien meist kurzlebig, ein Statussymbol und unter fragwürdigen Umständen produziert. Die Verbraucher müssten sich auf das verlassen, was ihnen vorgesetzt wird, erklärten die Veranstalter. Bei der industriellen Handyherstellung seien die Löhne und Arbeitsbedingungen katastrophal und die Gewinnspanne exorbitant hoch, sagte Umweltberater Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Ziel der Aktion ist es daher zu zeigen, dass man schlichte Telefone auf professionellem Niveau auch selbst herstellen kann, so „Fabulous St.Pauli“.

Die Besucher montieren die Bauteile – löten Gerät und Gehäuse zusammen. Die äußere Hülle kann jeder individuell gestalten: zum Beispiel aus Leder, Stoff oder Holz. SMS schreiben, telefonieren und Nummern speichern kann das selbst gebaute Teil: „Ich kann mir aber auch vorstellen, dass technikversierte Teilnehmer eine Kamera einbauen“, sagte der Sprecher.

Auf die Frage, warum man sich die Mühe machen und ein Handy selbst basteln sollte, haben die Macher eine simple Antwort: „Weil es einfach geht!“. Es gebe viele Motive das Gerät zu bauen, etwa weil man keine Lust mehr auf „unfair“ produzierte Mobiltelefone hat oder weil man etwas dazulernen möchte. Am Ende gehe es aber immer auch um den „Do-It-Yourself-Spirit“.

„Ich dachte das ist eine richtig coole Idee, ein Telefon, das sonst immer fertig gekauft wird, selber zu bauen“, sagte Axel Bühler(48), der mit seinem 13 Jahre alten Sohn in die Handy-Fabrik gekommen ist. Schwierigkeiten beim Bauen gebe es nicht, alles sei super vorbereitet, freut sich der Physiker.

Gebastelt wird in einem umfunktionierten Container im „Park Fiction“ auf St.Pauli: Dort wurde eine temporäre Produktionsfabrik eingerichtet. Dabei gehe es nicht darum, alles Technische bereits zu beherrschen, sondern eher um den Gemeinschaftsaspekt, sagte Boeing.

Und das Interesse ist groß: Wegen der zahlreichen Anmeldungen wollen die Veranstalter zusätzliche Workshops anbieten. Geplant sind außerdem Diskussionsrunden und Vorträge zu Herstellungsbedingungen von Handys und Smartphones oder zur fairen Elektronik. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Hamburger Kulturbehörde. Der Container ist noch bis zum 7. September geöffnet.

Das Fábrica-Projekt findet noch bis zum 7.9.2014 im Park Fiction, St. Pauli (Hamburg) statt. Infos: www.fablab-hamburg.org/diy-phone

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