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Matthies’ Netzwelt : Das digitale Nikotinpflaster

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Binky“ ist eine neue Social-Media-Plattform. Sie soll Online-Süchtigen helfen.

von
erstellt am 20.Jun.2017 | 09:30 Uhr

Fotos von Fondue, einem Ellenbogen oder Brokkoli - bei „Binky“ können Smartphone-Nutzer allerlei belanglose Bilder durch „Blinks“ liken und kommentieren. Nur sehen wird es nie jemand. Die App dient ausschließlich dazu, die Social-Media-Sucht seiner Nutzer durch Herunterscrollen zu befriedigen. Andere Nutzer können nicht sehen, was einer tut. Das soll Online-Süchtigen helfen.

Tut es aber nicht. Im Gegenteil. Meine These lautet, es verstärkt sogar die Sucht. Was als digitales Nikotinplaster daherkommt, entpuppt sich schnell als reiner Zeitfresser ohne langanhaltenden Effekt.

„Binky“ hat keinen Mehrwert. Kommentare und Likes von anderen widerzuspiegeln, ist nicht ihr Sinn und Zweck. Wie soll ich denn so überhaupt erkennen, was für mich relevant sein könnte?

Vor allem hilft die App nicht nervösen Menschen, die ohne Blick auf ihr Smartphone keine zwei Minuten lang ruhig sitzen können, das Leben zu erleichtern. Mittlerweile soll es bei einigen ja schon soweit sein, dass sie mindestens 157 Mal am Tag ihr Smartphone entsperren - und knapp zweieinhalb Stunden vor dem Display verbringen. Mit „Binky“ wird es nur noch mehr.

Eines erreicht die neue App, die zurzeit für Apple-Geräte erhältlich ist, dann aber doch.

Während des Testens weckt sie meinen Hunger auf echtes Social Media. Ich verspüre den Drang, schnell mal bei Facebook und Twitter vorbeizuschauen - und etwas Belangloses zu posten.

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