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Weltkongress von Interpol : Cybercrime – Nachlässigkeit macht angreifbar

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ermittler wollen digitalen Angreifern auf die Spur kommen. Doch es sei schwierig Unternehmen zu überzeugen, in IT-Sicherheit zu investieren.

Im Internet rollt eine neue Kriminalitätswelle heran, und alle Länder müssen sich auf immer schlimmere Hackerattacken einstellen – mit diesen Warnungen hat gestern der Weltkongress der internationalen Polizeiorganisation Interpol begonnen. Ermittler und Spezialisten aus drei Dutzend Ländern beraten im asiatischen Stadtstaat Singapur drei Tage über Cyberkriminalität, Grenzsicherheit und andere Sicherheitsthemen.

Bei Cyberkriminalität geht es vor allem um Betrug, Datenklau und Sabotage. Das US-Institut CSIS schätzt die jährlichen Verluste durch Cyberkriminalität in Deutschland auf 43 Milliarden Euro.

„Die Angreifer geben sich wirklich sehr viel Mühe“, sagt Candid Wüest von der IT-Firma Symantec. Eine Auswertung der Firma zeigt, dass Angriffe mit Hilfe von aufwändig gefälschten E-Mails 2014 um acht Prozent zugenommen haben. „In Deutschland trifft es die ganz kleinen und die ganz großen Unternehmen vermehrt“, sagt Wüest.

In Schleswig-Holstein wurde knapp jedes dritte Unternehmen bereits Opfer eines Cyberangriffs, ergab eine IHK-Umfrage im Jahr 2014. Doch nicht alle merkten überhaupt, dass sich Fremde in ihr System gehackt haben, erklärt Tim Schlotfeldt vom Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH). „Es ist schwierig, die Wirtschaft zu überzeugen, in Sicherheit zu investieren“, sagt Schlotfeldt. Viele Unternehmer könnten sich nicht vorstellen, warum mangelnde IT-Sicherheit zum Problem werden kann – es fehle an Beispielen, bei denen Firmen durch Cyberangriffe pleite gegangen sind. „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird nicht ganz klar“, erklärt Schlotfeldt.

Sowohl DiWiSH als auch das Landeskriminalamt (LKA) setzen auf Prävention: Es gehe darum, Bewusstsein zu schaffen. Dazu gehöre auch, Anfängerfehler zu vermeiden, beispielsweise Passwörter nicht offen zu zeigen, wie dies bei der Cyberattacke auf die französische Sendergruppe TV5Monde der Fall war. „Der Gedanke, dass Nachlässigkeiten mal zum Problem werden könnten, ist oftmals nicht da“, sagt Schlotfeldt.

LKA-Sprecherin Heike Bredfeldt-Lüth appelliert an Betroffene, Attacken anzuzeigen: „Wenn wir nichts haben, können wir nichts machen.“. Die Dunkelziffer bei Cyberverbrechen sei sehr hoch, Täter oder Absichten oft nicht herauszufinden. Das LKA in Schleswig-Holstein setzt in diesem Jahr 26 Experten auf die Kriminellen im Netz an. EU-Digitalkommissar Günther Oettinger gab gestern bekannt, die EU solle eine Meldeplattform für Cyber-Attacken bekommen.

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erstellt am 15.Apr.2015 | 15:00 Uhr

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