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Schwarmfinanzierung : Crowdfunding – Chance oder Risiko?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Internetgemeinde um Hilfe bei der Verwirklichung von Projekten um Hilfe zu bitten, ist im Kommen – zwei Flensburgern ist die Finanzierung ihres Produkts gelungen. Doch es gibt auch Risiken.

Fünf Tage lang druckten Samuel Brinkmann und Thorben Grodon Adress-Aufkleber aus, sortierten die Bestandteile ihres Starter-Kits für Programmier-Anfänger und packten die kleinen Kartons – jede Bestellung individuell, außerdem mit einem persönlichen Anschreiben an den Empfänger. Dann endlich kam der riesige Laster von der Post vor die Tür und sammelte die 350 Päckchen ein. „Wir wussten gar nicht, wie viel Arbeit dahinter steckt“, sagt Brinkmann. Sie ahnten auch nicht, dass so viele Leute Interesse an ihrem Produkt haben würden.

Es ist das Ergebnis einer Crowdfunding-Kampagne, die ihre Initiatoren überraschte: Statt des gesetzten Ziels von 3000 Euro sammelten die beiden für die Einsteiger-Pakete bestehend aus bunten Kabeln, einem Display, LED-Leuchten, Sensoren und einer Platte, auf die die Elemente gesteckt werden können, mehr als fünfmal so viel Geld ein – die Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ endete mit 16.400 Euro.

Beispiele wie dieses zeigen: Crowdfunding ist im Kommen. Ob Kickstarter, Indiegogo, Startnext oder deutsche Plattformen wie Nordstarter, Ulule oder Dresdener Durchstarter – nie war es für Start-ups und Kreative leichter, an Geld zu kommen.

Die Idee zur Finanzierung durch einen Schwarm von Unterstützern kommt ursprünglich aus dem künstlerischen Bereich. Bands sammelten im Netz vor einer Albumproduktion Geld von Fans und versprachen je nach Geldeinsatz ein „Dankeschön“ – etwa signierte CDs, T-Shirts oder ein Treffen. Das Prinzip: Man stellt seine Idee vor, entwirft einen Ablaufplan und wirbt um Investitionen. Das können schon kleine Geldbeträge sein, aber auch Summen im Bereich über 500 Euro.

Aber nicht jedes Projekt hat auch Chancen auf einen Durchbruch. Und ohne Risiko ist die Finanzierung an der Bank vorbei auch nicht. Es gibt keine Garantie, dass das Produkt am Ende alle Funktionen hat. Geht alles schief, ist das Geld meist weg, Gründer versprechen aber oft eine Geld-zurück-Garantie, sollte das Finanzierungsziel nicht erreicht werden. Doch Crowdfunding bietet die Chance, spannende Projekte zu unterstützen und Produkte früh zu besitzen.

Im Fall der beiden Flensburger waren daran nicht nur bundes- und europaweit Menschen interessiert, es gingen sogar Pakete nach Saudi Arabien, erzählen sie. Anstoß genug für Brinkmann, sich nach erreichter Fachhochschulreife in Vollzeit als Gründer dafür einzusetzen, das Projekt weiter voranzubringen. Ziel nach dem erfolgreichen Start: Schulen ins Boot holen. „Ein ganzer Klassensatz an Ausstattung ist zwar teuer“, räumt Samuel ein – zumal für die Anwendung ein kleiner Lerncomputer wie ein Raspberry Pi nötig ist. Und: „Wir wünschen uns Firmen als Sponsoren.“ Gerade in Unternehmen, die Ausbildungsplätze im IT-Bereich anbieten, vermuten die Jung-Unternehmer ein Interesse an Bewerbern, die bereits erste Grundkenntnisse im Programmieren haben. „Wir selbst hatten nie richtigen Informatikunterricht“, sagt Brinkmann. „Dabei ist das ein Beruf der Zukunft.“

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erstellt am 20.Nov.2015 | 19:32 Uhr

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