zur Navigation springen

Suche nach dem digitalen Wirtschaftswunder : Cebit 2015 gestartet - Gabriel macht Messerundgang

vom

Nach der feierlichen Eröffnung am Sonntagabend, hat die Cebit in Hannover für den Publikumsverkehr geöffnet. Zentrales Thema der Messe ist die Digitalisierung.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2015 | 09:51 Uhr

Hannover | Die weltgrößte Computermesse Cebit ist am Montag in Hannover in den ersten Publikumstag gestartet. Statt Kanzlerin Angela Merkel macht diesmal Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den traditionellen Eröffnungsrundgang. Merkel (CDU) empfängt in Berlin den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Gabriel startete den Rundgang am Stand des diesjährigen Partnerlandes China. Merkel hatte bei der Eröffnung am Vorabend von China fairen Wettbewerb eingefordert.

Die weltgrößte Computermesse Cebit wurde als Fachveranstaltung für Profis neu ausgerichtet. Neben einer neuen Ausstellungsstruktur gibt es ein breites Konferenzprogramm. Zu den Sprechern zählen Unternehmenslenker, Ökonomen, Hacker, Politiker oder Chefredakteure sowie ein Oscar-Preisträger. Unter den Teilnehmern sind rund 350 junge innovative Unternehmen, die um Investoren werben. Leitmotiv der Cebit 2015 ist der Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft durch die fortschreitende Digitalisierung. Dafür soll auch das Kunstwort „d!conomy“ als Messe-Motto stehen. Die rund 3300 Unternehmen aus 70 Ländern zeigen vom 16. bis 20. März rund 5000 Innovationen aus der digitalen Welt. China hat als Partnerland mit 600 Ausstellern einen großen Auftritt auf der Messe. Es werden 200.000 Besucher erwartet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zum Auftakt der Cebit am Sonntagabend einen fairen Wettbewerb vom diesjährigen Partnerland China eingefordert. „Unternehmen und Investoren haben ein natürliches Interesse daran, dass sie wissen, in welchen Rahmenbedingungen sie arbeiten: Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, Gleichbehandlung der verschiedenen Unternehmen in unseren Ländern“, sagte die CDU-Politikerin in Hannover. Viele ausländische Geschäftsleute in China haben derzeit das Gefühl, dass einheimische Firmen bevorzugt behandelt werden.

Im Mittelpunkt der Cebit steht in diesem Jahr vor allem der große Wandel durch die Digitalisierung. „In der Wirtschaft wird kein Stein auf dem anderen bleiben“, warnte der Präsident des Branchenverbands Bitkom, Dieter Kempf, bei der Eröffnungsfeier. Vor allem die Vernetzung aller Maschinen und Geräte und das neue Geschäft mit den dabei erhobenen Daten werden nach Einschätzung von Experten ganze Branchen umpflügen.

Pünktlich zur Cebit zeigen zwei Studien, wie groß die Gefahr einer verschleppten Digitalisierung für die deutsche Wirtschaft wäre. So ließ der Industrieverband BDI die Unternehmensberatung Roland Berger berechnen, welche Einbußen drohten, sollte die Industrie die Verschiebung der Geschäftsmodelle in den IT-Bereich nicht konsequent genug vorantreiben. Demnach ergäben sich allein für Deutschland bis zum Jahr 2025 rund 220 Milliarden Euro Wertschöpfungsverluste, wie die „Welt am Sonntag“ aus der ihr vorliegenden Studie berichtete. Wertschöpfung umfasst den Mehrwert, den Produktion und Dienstleistungen bringen.

Laut der Berger-Studie würde eine verschleppte Digitalisierung in der deutschen Industrie vor allem die Automobil- und Logistikbranche treffen, die bis zu 140 Milliarden Euro einbüßen könnten. Für Europa insgesamt wären es 605 Milliarden Euro. Im Vergleich zur gesamten Wirtschaftsleistung der Industrie hierzulande wären die laut Berger über zehn Jahre berechneten Summen zwar nur ein Bruchteil der industriellen Kraft - doch sie träfen die Zukunftsfähigkeit.

Zudem befragte der Beratungskonzern EY die Unternehmen direkt. Laut der repräsentativen Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, droht dem Wirtschaftsstandort Deutschland ein Dilemma: Obwohl der Druck zur Digitalisierung im internationalen Vergleich gerade für die deutsche Unternehmenslandschaft am größten ist, können sich die Betriebe in Deutschland dem Wandel nicht so stellen, wie sie gerne würden. Zentrale Hemmschuhe: Budget- und Fachkräftemangel. Laut der EY-Studie wird zwar einiges angestoßen, doch die Digitalisierung genieße noch nicht den nötigen Vorrang - oder es fehle schlicht das Know-how, um die gewünschten Projekte auch umsetzen zu können. So ließen sich etwa die Schweiz, Schweden und Südkorea die Vorbereitung auf die digitale Revolution spürbar mehr kosten als es in Deutschland der Fall sei.

Der Gründer der chinesischen Online-Plattform Alibaba, Jack Ma, nannte zugleich bei der Eröffnungsfeier die Beständigkeit deutscher Unternehmen wie Mercedes-Benz und Siemens ein Vorbild für die Digitalwirtschaft. Er sei auf der Cebit, „weil ich dieses fehlende Teil für das Puzzle Internet finden will“. Alibaba steht hinter der größten chinesischen Onlinehandels-Plattform und schaffte im vergangenen Herbst in New York den bisher weltgrößten Börsengang.

Einige Trends zur weltgrößten Computershow:

Industrie 4.0

Mit diesem Begriff wird in Deutschland die Vernetzung von Maschinen und anderer Technik vor allem im industriellen Betrieb bezeichnet. Es geht etwa um Industrieanlagen, die aus der Ferne gewartet werden können und sich auch selbst zum Austausch verschlissener Teile anmelden könnten. So zeigt der Fahrstuhl-Hersteller ThyssenKrupp Elevator in Hannover, wie schon erste Anzeichen von Unregelmäßigkeiten frühzeitig übermittelt werden.

5G-Technik

Die datenhungrigen IT-Anwendungen der Zukunft werden auch viel leistungsstärkere, schnellere und flexiblere Netze erfordern. Dafür soll die nächste Mobilfunk-Generation 5G sorgen. Im Moment geht es noch darum, die Eckpunkte des Standards festzulegen. Es gibt ein Gerangel unter anderem zwischen verschiedenen Netzwerk-Ausrüstern und Mobilfunk-Betreibern. „Ein Patentkrieg droht auf jeden Fall“, warnte ein führender deutscher 5G-Experte, Gerhard Fettweis.

Verschlüsselung

Die Enthüllungen des Informanten Edward Snowden haben auch die Wirtschaft aufgeschreckt. Zugleich haben es Unternehmen jeder Größe mit Industriespionage zu tun. Die Nachfrage nach Verschlüsselungslösungen zum Schutz von Firmengeheimnissen nimmt zu. Inzwischen gibt es neben sicheren Speicher-Angeboten auch eine Auswahl an Apps für verschlüsselte Telefonate. Auf der CeBIT wird zudem ein abgesichertes Tablet für Bundesbehörden gezeigt.

„Big Data“

Mit der Vernetzung aller möglichen Geräte entstehen auch immer mehr Daten, die ausgewertet werden können. Heutige Computertechnik gibt die Möglichkeit, früher unvorstellbare Datenmengen umzuschlagen. Dieser sogenannten „Big Data“-Analyse kommt eine Schlüsselrolle bei digitalen Geschäftsmodellen zu. Sie dürfte unter anderem bei der Verkehrssteuerung und im Gesundheitswesen für enorme Fortschritte sorgen.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen