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Nagars Netzwelt : Breitbandausbau in SH: Schneller schleichen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das schnelle Internet soll kommen, ganz bestimmt. Fragt sich nur, wie lange man noch trödeln sollte.

von
erstellt am 10.Mär.2016 | 19:14 Uhr

Ich surfe gerne schnell. Im Büro habe ich fast immer mehrere Tabs im Browser geöffnet und ich finde es wirklich klasse, wenn Youtube-Filmchen oder andere Videos nicht zu einem Diavortrag entschleunigt werden. Vor allem, wenn man sich gerade Popcorn bereit gestellt hat, um den Live-Stream aus dem Landtag zum Thema Breitbandausbau anzuschauen.

Die Diskussion hatte das Potenzial, als Vorlage für ein Phrasen-Bingo herzuhalten. Von „auf dem richtigen Weg“ bis hin zu „Natürlich ist der Weg noch weit“. Von „noch viel zu tun“ über „Digitalisierung ist eine große Chance“, „Zukunft der ländlichen Räume“ bis hin zu „zu Potte kommen!“ So ähnlich hätte die Diskussion sicher auch 2007 schon geklungen. Man wird schon fast nostalgisch.

Ähnlich vorhersehbar sind die Positionen: Wer gerade verantwortlich ist (Landesregierung) betont die Fortschritte, wer nicht (Opposition) die Mängel. Einig sind sich aber alle: Schnelles Internet ist gut. Für die Wirtschaft, den Tourismus, Bildung, für das Wohnen auf dem Lande. Aber nicht überall reicht die Nachfrage, um den Ausbau wirtschaftlich zu stemmen. In ihrem 176 Seiten langen Bericht sieht die Landesregierung die Anbieter in der Pflicht, für schnelles Internet zu werben.

Bei Oma, die ihrem Enkel auf Skype zur Einschulung gratulieren kann – und so nicht auf die vierstündige Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln angewiesen ist. Bei Hausbesitzern, die ihre Ferienwohnung auch an Touristen vermieten wollen, die keinen Facebook-Entzug planen. Beim Handwerker, der Fotos seines neuen Glanzwerks auf die Firmen-Homepage stellen möchte. Bei Gemeinden, die vorhaben, neue Unternehmen nicht abzuschrecken. Dabei ist das schnelle Internet nicht auch, sondern gerade auf dem Lande wichtig. Dort, wo der Bus nur zweimal am Tag fährt. Dort, wo arbeiten von zu Hause tägliche Pendelei ersparen würde.

Es bleibt fraglich, ob die Agenda der Bundesregierung aufgeht, bis 2018 mindestens 50 MBit pro Sekunde in die hintersten Ecken der Republik zu schicken. Der Plan der Landesregierung, Glasfaser bis 2030 flächendeckend einzusetzen, ist aber zu schleichend. Dann kann Oma mit dem Enkel erst in seiner Kieler Studi-WG skypen.

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