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Internetdienst "Foursquare" : "Bitte raubt mich aus!"

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Via "Foursquare" lässt sich Millionen Nutzern der eigene Aufenthaltsort mitteilen - was nicht ungefährlich ist.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2010 | 07:19 Uhr

Das Prinzip ist einfach. Man nehme ein internetfähiges Handy, teile der Welt per Kurzbotschaft mit, an welchem Ort man sich gerade befindet und sammle dafür Punkte ein. "Foursquare" nennt sich diese neuartige Steilvorlage für Stalker und kommt - wie nicht anders zu erwarten - aus den Vereinigten Staaten.
Genutzt wird der sogenannte "Location Based Service" in erster Linie über Handy-Apps. Via GPS-Modul sind diese Programme in der Lage, die genaue Position des Nutzers zu ermitteln - ganz gleich, ob er sich im Museum, im Kino oder auf dem Eiffelturm befindet. Für viele Menschen ist sogar das Betreten eines Supermarktes ein so wunderbarer Moment, dass sie sich förmlich gezwungen fühlen, ihn mit anderen Menschen zu teilen.
Gratisleistungen sollen Nutzer bei Laune halten
An diesem Punkt kommen die sogenannten "Check In’s" ins Spiel. "Foursquare" bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, an einem bestimmt Ort "einzuchecken" und seine virtuellen Freunde postwendend darüber zu informieren. "Im at UCI Kino Flensburg" könnte dann eine dieser potenziellen Meldungen lauten. Besonders fleißige Nutzer haben im Anschluss die Gelegenheit, den besuchten Ort zu bewerten. Was bei einem Restaurant durchaus sinnvoll sein kann, könnte in Bezug auf die Bushaltestelle in Husum jedoch ein bißchen lächerlich wirken.
Um die Nutzer bei Laune zu halten, werden ihnen zusätzlich bestimmte Gratisleistungen angeboten. Wer an einem Ort besonders aktiv ist, erhält den Titel des "Mayor".
Was treibt den Nutzer zur geografischen Selbstoffenbarung?
Hält sich Max Mustermann also besonders oft in der "Cocktail Bar 2000" in Kiel auf, so wird er dafür vielleicht vom Barkeeper mit einer kostenlosen "Piña Colada" belohnt. Wirkt wie eine freundliche Geste, ist aber reine Berechnung: Denn Max Mustermann lockt mit dieser Aktion zahlreiche neue Kunden in die Bar, die alle darauf bedacht sind, ihm seinen "Mayor"-Titel abspenstig zu machen.
Doch was treibt den gemeinen Nutzer zu dieser neuen Form der geografischen Selbstoffenbarung? Ist es einzig und allein die Aussicht auf ein kostenloses Getränk oder mitunter sogar den durchaus wertvollen Gutschein im Handy-Shop um die Ecke? Oder vielmehr die Tatsache, dass wir uns in Zeiten des Web 2.0 immer mehr zum gläsernen Menschen machen - die einen bewusst, die anderen unbewusst? Das kaputte Getriebe des neuen Wagens, der Kummer über den Bruch der jüngsten Beziehung oder die eitrige Wurzelbehandlung beim Zahnarzt - wer einen Streifzug durch soziale Netzwerke wie "Twitter" wagt, wird feststellen, dass es keine Information gibt, die es nicht wert zu sein scheint, mit anderen geteilt zu werden.
Zu viel Offenheit kann gefährlich werden
Dass "Foursquare" sich nun nahtlos in die Kette der sozialen Exhibitionistendienste einreiht, ist nicht nur nervtötend (ist es für die Weltöffentlichkeit wirklich von Belang, ob der virtuelle Kumpel gerade bei Edeka in Hamburg-Langenhorn Fleischwurst kauft?), es kann mitunter auch gefährlich werden.
Eine Tatsache, die auch der Gruppierung "forthehack" nicht verborgen geblieben ist. Um den Nutzern deutlich zu machen, welches Risiko sie mit ihren geografischen Statusmeldungen eingehen, riefen die Amerikaner die Seite "PleaseRobMe.com" ("Bitte raube mich aus!") ins Leben. Dort werden alle einlaufenden "Foursquare"-Meldungen aufgeführt. Jeder Webbesucher wird somit schnell und bequem darüber informiert, welche Person gerade beim Einkaufen, auf der Arbeit oder schlichtweg nicht zu Hause ist - auch die, die sich dieses Wissen auf negative Art und Weise zu Eigen machen könnten.
Darum gilt: Überlegen Sie genau, welche Informationen Sie in sozialen Netzwerken preisgeben möchten. Denn sonst könnte aus einem "Ich bin bei Famila in Kiel" schnell ein "Ich bin wieder zu Hause - aber meine Wohnung ist leergeräumt" werden.

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