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Plattform „Coinimal“ : Bitcoins – Das Geschäft mit digitalem Geld

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Ruf der Bitcoins ist angekratzt. Dennoch wollen ein Dithmarscher und seine zwei Mitstreiter aus Österreich mit der Plattform „Coinimal“ den Markt aufrollen.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2015 | 05:15 Uhr

Ihre Befürworter glauben an die Ablösung staatlich kontrollierter Währungen, an eine Zeit nach Euro, Dollar und dänischer Krone – Kritiker warnen vor Spekulationen. Seit ihrem Aufkommen polarisieren Bitcoins. Jetzt wollen ein Dithmarscher und zwei Mitstreiter aus Österreich den Markt im deutschsprachigen Raum neu aufrollen.

Eric Demuth hat zusammen mit Paul Klanschek und Christian Trummer die Plattform „Coinimal“ ins Leben gerufen. Während Bitcoins bislang vor allem über Börsen-Plätze im Ausland erworben werden können, mit Wechselkurs-Risiken verbunden sind und einiges an Wissen voraussetzen, lässt sich Coinimal als Shop verstehen. Das digitale Geld wird gekauft – per Knopfdruck. „Wir übernehmen jegliches Risiko für den Kunden“, so Demuth.

Zuletzt sorgte die Kryptowährung vor allem mit Skandalen für Schlagzeilen. Anfang 2014 verschwand eine der Börsen, an denen Bitcoins im großen Stil gehandelt wurden, über Nacht von der Bildfläche. Die japanische Plattform Mt.Gox hatte Insolvenz angemeldet – zuvor wurden noch bis zu 60 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handels über sie abgewickelt. Erst vor gut zwei Wochen vermeldete die Bitcoin-Börse Bitstamp den Diebstahl von 19.000 Bitcoins. Immer wieder machten zudem Berichte über den Einsatz von Bitcoins in kriminellen Netzwerken die Runde. Entsprechend angekratzt ist der Ruf des digitalen Geldes – gerade in Europa. Demuth betont jedoch: „Das ist keine Währung für Drogenhändler und Pädophile.“

Bitcoins entstehen in einem komplexen System durch aufwendige Rechenprozesse. Ihre mögliche Gesamtzahl ist begrenzt. Der Entwickler von Bitcoins gilt bis heute als unbekannt.

In technologischer Hinsicht sieht Demuth hierzulande noch Aufholbedarf. „Europa ist generell hinten dran“, sagt der 28-Jährige, der ursprünglich Schiffsmechaniker gelernt hatte, bevor er dann in Wien ein Wirtschaftsstudium begann. Japan sei liberaler, die USA eilen voraus, beschreibt er heute die verschiedenen Märkte. „Das Silicon Valley investiert unfassbar viel Geld“, so der Start-up-Unternehmer. Erst vor wenigen Tagen hat dort auch das Start-up Coinbase eine Zulassung der US-Behörden erhalten und darf nun Handel in gut der Hälfte aller US-Staaten betreiben. Gerade bei den US-Firmen schreitet die Verbreitung von Bitcoins als Zahlungsmittel auch rasant voran. Expedia akzeptiert Bitcoins ebenso wie Microsoft oder der renommierte US-Verlag des Times-Magazins. Auch der Online-Bezahldienstleister Paypal will sich für Bitcoins öffnen.

Doch Finanzexperten sind skeptisch. So zweifelt der Volkswirt Jörn Quitzau vom Hamburger Bankhaus Berenberg an den Vorteilen, die Bitcoins bieten sollen. Drei Funktionen habe Geld – es fungiere als Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel. Bei letzterem gebe es seit der Finanzkrise Probleme, sagt Quitzau. Doch auch die auf einem Algorithmus basierenden Bitcoins würden da nicht helfen. „Der Kursverfall ist viel, viel stärker als bei etablierten Währungen“, erklärt der Berenberg-Experte. Zudem gibt er zu bedenken, dass Anleger bei Bitcoins in den Algorithmus vertrauen müssen. „Traut man dem mehr als demokratisch legitimierten Zentralbanken?“

> Infos unter: www.coinimal.com

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