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Online-Scheidung : Bis dass der Mausklick euch scheidet

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In Dänemark können sich Ehepaare vom heimischen Rechner aus trennen. Deutschland ist davon noch weit entfernt.

Flensburg | Fast 2 Millionen Antworten liefert Google auf die Suchanfrage nach „Scheidung“ und „Online“. Anwälte bieten unschlagbare Preise für eine bequeme und schnelle Scheidung. Es ist ein unübersichtliches Feld an Kanzleien, das sich vor dem Suchenden in Millisekunden ausbreitet. Bleibt die Frage: Lassen sich mit einer Online-Scheidung wirklich so viel Geld und Nerven sparen?

Ein Scheidungsverfahren kann in Deutschland nicht online geführt werden, erklärt Regina Weiner, Fachanwältin für Familienrecht in Geesthacht. Denn ein Scheidungsantrag muss bei Gericht immer schriftlich durch einen Rechtsanwalt eingereicht werden. Auch zur Gerichtsverhandlung müssen beide Eheleute persönlich erscheinen. Der Begriff Online-Scheidung beschreibe viel mehr die Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant. Die findet zunächst über ein Online-Kontaktformular und anschließend per E-Mail statt. „Wir können die Arbeit der Gerichte gar nicht beschleunigen und da der Verfahrenswert vom Gericht festgesetzt wird, sind unsere Gebühren auch daran gebunden. Eine Online-Scheidung ist definitiv nicht billiger“, erklärt die Rechtsanwältin.

Eine Scheidung kann aber eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit werden. Vor der Trennung müssen Ehepaare ihre Anwälte persönlich besuchen, sich dafür vielleicht sogar Urlaub nehmen. „Manchmal ist es schwierig, einen persönlichen Termin zu vereinbaren. Wenn der Mandant internetaffin und beruflich sehr eingespannt ist, kann eine Online-Scheidung deshalb Vorteile mit sich bringen“, so Weiner. Jedoch sollten die Betroffenen bereits gut informiert sein. Auch wer mit einem Ehevertrag alle Eventualitäten im Vorfeld geklärt hat, könne über den Trennungsprozess per Internet nachdenken. Doch sobald die Verteilung von Vermögen oder der Unterhalt für Kinder zum Problem werden, stoße die Online-Scheidung an ihre Grenzen. „Wenn es zu Streitigkeiten kommt, ist eine Trennung per Internet nicht mehr machbar“, sagt Regina Weiner. Deshalb rät die Fachanwältin dazu, zumindest das erste Gespräch beim Anwalt persönlich vorzunehmen – auch aus eigenem Interesse: „Ich habe eine Beratungsfunktion und hafte dafür.“

Dänemark hat sich im vergangenen Jahr für eine komplette Online-Scheidung entscheiden. Seit dem 1. Juli 2013 können sich dänische Ehepaare tatsächlich per Mausklick scheiden lassen. Und dabei entfällt sogar die vom Staat als Bedenkfrist auferlegte Trennungszeit von mindestens sechs Monaten. Möglich macht das ein neues Scheidungsgesetz, das die Regierung in Kopenhagen gegen den Widerstand der Opposition, von Pfarrern und Scheidungsanwälten beschlossen hat. Ziel: die Verwaltung entlasten. Wer sich in Dänemark scheiden lassen will, benötigt im Idealfall also weder Anwalt noch Behördengänge, sondern nur einen Computer mit Internetzugang. Der Service setzt allerdings auch eine digitale „NemID“ voraus. Das ist eine Signatur zur Identifizierung bei vielen Behördengängen, die in Dänemark zum Beispiel bei der Steuererklärung aber auch beim Online-Banking genutzt wird. Experten sehen diese Entwicklung als eine nicht unerhebliche Ursachen für einen rasanten Anstieg der Scheidungsrate in Dänemark. Sie stieg 2013 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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erstellt am 16.Mai.2014 | 04:00 Uhr

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