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Fligges Netzwelt : Big Brother in der Arbeitswelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Amazon soll Mitarbeiter digital überwachen. Angestellte fühlen sich vom Konzern unfair behandelt.

Zum Wochenende veröffentlichte die „New York Times“ einen erschütternden Bericht. Die US-Reporter haben mit über 100 ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern des Online-Giganten Amazon gesprochen und deckten so schockierende Missstände auf. Der umfassende Report berichtet unter anderem von einem Fall, in dem eine Angestellte einen Tag nach einer Fehlgeburt auf Dienstreise geschickt wurde. Eine andere Frau berichtet, sie sei schlecht bewertet worden, als sie nicht mehr nachts oder am Wochenende arbeiten wollte. Dabei habe sie sich nur so um ihren an Krebs erkrankten Vater kümmern können.

Offenbar nutzt Amazon eine Software, mit der sich Angestellte anonym untereinander bewerten können – das sogenannte Anytime Feedback Tool. Gedacht sei es für Lob und Kritik. Genutzt wurde es den Recherchen zufolge eher, um unliebsame Kollegen zu sabotieren. Amazon-Gründer Jeff Bezos widersprach dem Bericht und nannte die beschriebenen Schicksale Einzelfälle.

Der Bericht ist drastisch, zeigt aber, wohin uns die softwaregestützte Mitarbeiter-Überwachung führen kann. Schon heute ist es möglich, per App Mitarbeiter nach Qualifikationen und Erfolgen zu sortieren. Selbst das Kündigungsrisiko lässt sich darstellen. So zumindest bietet es die Software „Workday“ an, in die Amazon-Chef Bezos übrigens auch investiert hat. „Sorgen Sie für optimale Datentransparenz und Kosteneffektivität und agieren Sie effizient und präzise“, wirbt das auch in Deutschland verfügbare Programm. Wenn das bedeutet, Angestellte zu Bespitzelungen zu ermuntern und sie auf jedem Schritt und Tritt zu überwachen, ist der Big Brother George Orwells im Arbeitsleben angekommen.

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erstellt am 20.Aug.2015 | 11:30 Uhr

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