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Vor- und Nachteile : Bewertungsportale: Wie sinnvoll ist der Ärzte-Check im Netz?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Ärzte sehen informierte Patienten kritisch, zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich veröffentlichte Studie. Manches finden Patienten auch auf Ärztebewertungsportalen.

Im Internet suchen immer mehr Betroffene auf eigene Faust nach Informationen über Krankheiten: Das gaben fast alle Ärzte in dem kürzlich veröffentlichten Gesundheitsmonitor von Bertelsmann Stiftung und Barmer GEK an. Auch Ärztebewertungsportale sind eine Informationsquelle. Experten sehen positive Seiten ebenso wie Gefahren für Patienten, wenn sie sich dort auf die Suche nach einem Mediziner machen.

Bevor es zum Arzt geht, suchen Patienten heute häufig nach ihren Symptomen im Internet – und stoßen häufig auf Ergebnisse, die ihnen nicht weiterhelfen. Auch die Einträge auf Bewertungsportalen zu einem Arzt können verfälscht sein.

Informationen: „Ärztebewertungsportale sind sinnvoll, weil sie Patienten ermöglichen, sich selbst unabhängig zu informieren“, sagt Kai Helge Vogel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Früher seien Patienten dafür auf Mundpropaganda oder bei Fachärzten auf Empfehlungen ihres Hausarztes angewiesen gewesen. Positiv sei, dass Patienten auf den Portalen Hinweise zu Aspekten wie Wartezeiten oder zum Umgang der Ärzte mit privaten Zusatzleistungen finden könnten.

Aussagekraft: Als kritisch beurteilen Experten, dass Patienten keine zuverlässigen Informationen über die Fachkompetenz des Arztes bekommen. „Sie können nachsehen, wie zufrieden jemand war – aber nicht, ob die Behandlung gut war. Das können Patienten ja auch kaum beurteilen“, sagt Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin, einer gemeinsamen Einrichtung der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. „Viele Patienten finden nicht das, wonach sie eigentlich suchen.“

Anonymität: „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass man oft ein verzerrtes Bild von dem Arzt bekommt“, erläutert Schaefer. Es sei auffällig, dass es auf vielen Portalen nur wenige mittlere Bewertungen gebe. „Vermutlich schreiben eher die, die total zufrieden oder total unzufrieden waren.“ Die Portale müssten negative Bewertungen nach Gerichtsurteilen gründlich prüfen. Hinzu komme, dass es bei vielen Ärzten nur Bewertungen von sehr wenigen Patienten gebe, auch dadurch bleibe das Bild eingeschränkt.

Dass Nutzer Ärzte ohne Nennung ihres Namens bewerten können, habe zwei Seiten, bilanziert Schaefer. „Wenn man nicht anonym schreiben kann, ist die Scheu größer, ehrlich zu sein.“ Allerdings sei es dadurch auch nicht nachvollziehbar, ob der Verfasser wirklich bei dem bewerteten Arzt war.

Transparenz: Viele Portale machten inzwischen transparenter, wie Rankings von Ärzten zustande kommen und welche Kriterien zugrunde liegen, erläutert Vogel. Angestoßen worden sei dies auch durch Gerichtsurteile, die Portale zu Transparenz verpflichten. Auf manchen Portalen sei es für die Nutzer seiner Meinung nach dennoch schwierig, Werbung von Ärzten und Nutzerbewertungen auseinanderzuhalten.

Vielfalt: Es gibt sehr viele Portale von unterschiedlicher Qualität, bemängeln Kritiker. „Als Nutzer muss man genau schauen, auf welches Portal man klickt und wie ein Ergebnis für einen Arzt dort zustande kommt“, sagt Vogel. Medienkompetenz und ein kritischer Blick seien nötig, um die Informationen einzuordnen.

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