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gewerbe-meldung.de : Betrug durch überflüssiges Onlineregister

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit seriös erscheinenden Briefen versuchen Onlineportale, mittelständische Unternehmen zu betrügen.

von
erstellt am 13.Mai.2016 | 18:37 Uhr

Eine „eilige Mitteilung“ flattert ins Haus: Per Anschreiben und beigefügtem Formular auf recyceltem Papier fordert eine Firma namens Europe Reg Services Ltd. Unternehmer dazu auf, ihren Betrieb innerhalb von zwei Wochen per Rücksendeformular in das Online-Register gewerbe-meldung.de eintragen zu lassen. Aktuell kursieren solche Schreiben in Glücksburg im Kreis Schleswig-Flensburg (gluecksburg.gewerbe-meldung.de), doch die Masche ist bundesweit bekannt. So warnt die Verwaltung der südhessischen Gemeinde Egelsbach Gewerbebetriebe aktuell davor, auf den Eintrag in egelsbach.gewerbe-meldung.de zu reagieren.

Das Angebot scheint dringlich – schließlich übernehme laut Schreiben die Zweigstelle in Leipzig „die Abwicklung der Gewerbeverzeichnisse in der Bundesrepublik Deutschland“. Höchst offiziell also? „Ein sinnloser Eintrag, den kein Mensch braucht“, sagt Tina Möller deutlich. Die Geschäftsmodelle solcher Anbieter lägen nicht darin, die Gewerbeeinträge im Internet besonders schnell für Nutzer auffindbar zu machen, sagt die Juristin der Industrie- und Handelskammer zu Kiel. Dennoch tappten „verdammt viele“ in Vertragsfallen wie diese. „Wir haben solche Fälle zur Genüge.“

Auch Fliesenlegermeister Andreas Thonfeld kennt Schreiben wie diese. „Permanent“ erhalte der Unternehmer aus Lutzhöft im Kreis Schleswig-Flensburg solche Aufforderungen per Fax, Mail oder telefonisch. In dem Verzeichnis auf gewerbe-meldung.de ist seine Firma zwar zu finden, einen Auftrag dazu habe er aber nicht gegeben, auch ein Schreiben dieser Firma habe er nicht bekommen.

Aber wie kommen die Betrüger an die Adressen ran? „Zum Beispiel über ein Abo beim Handelsregister“, weiß Möller und berichtet von einem Fall, in dem ein Unternehmer mit 56 solcher Anschreiben im Gepäck zur IHK kam, nachdem er eine Änderung im Handelsregister habe vornehmen lassen. „Das ist eine richtige Abzocke“, sagt Unternehmer Thonfeld. „In der Hektik des Alltags fällt sicher der ein oder andere darauf rein. Ich will nicht wissen, wie viel Geld die damit machen.“

Im Falle von gewerbe-meldung.de liegt der Preis für eine Eintragung bei 348 Euro netto pro Jahr, man verpflichtet sich direkt für drei Jahre. Eine weitere Masche solcher Firmen: die vermeintlich bereits im Register eingetragene Adresse per Unterschrift bestätigen. Doch damit wird eine Zahlung bestätigt, die im Kleingedruckten zu finden ist. Jährlich entstehe so ein Schaden von 268 Millionen Euro, sagt Möller und beruft sich auf Zahlen des Deutschen Schutzverbands gegen Wirtschaftskriminalität (DSW). Viele Opfer würden den Betrag zahlen, aus einem ersten Impuls heraus, aus Unsicherheit oder, um sich weiteren Ärger zu ersparen.

Aus Sicht von Juristin Möller könne man sich in einem solchen Fall auf arglistige Täuschung berufen, ein geschlossener Vertrag wäre nichtig – es gelte jedoch immer, den Einzelfall zu prüfen. Ob es gezahltes Geld tatsächlich zurückgibt, ist hingegen fraglich – auch das hänge vom Einzelfall ab, sagt Axel Bieler, Oberstaatsanwalt in Kiel. Besonders schwierig wird es, wenn ein Anbieter seinen Sitz auf den Seychellen oder – wie im Beispiel gewerbe-meldung.de – auf Malta hat. Solche mit Sitz in Deutschland versuche man dingfest zu machen, sagt Möller. Hier sei die Handhabe größer.

Dabei gebe es einfache Wege, sich zu schützen: „Aufmerksam lesen, anzeigen und auf keinen Fall zahlen“, sagt Bieler. Auch eine Rückfrage bei Polizei oder IHK sei sinnvoll, sagt Möller: „Wir kennen unsere Pappenheimer.“ Andreas Thonfeld habe sich bei der Innung schlau gemacht, bei der Handwerkerinnung nachgefragt und recherchiert – und sei bislang nicht auf eine solche Masche reingefallen. Außerdem halte er die Anzahl der Register, in denen seine Firma eingetragen ist, überschaubar, lese sich die Schreiben durch und frage bei Anrufen solcher Anbieter kritisch nach: „Da wird dann aufgelegt“, berichtet er – und der Fall ist eindeutig.

Eine Anfrage des sh:z bei den Betreibern von gewerbe-meldung.de blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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