Henningsens Netzwelt : Besorgte Anrufe aus dem Callcenter

Ralf Henningsen ist Mitglied der Nachrichtenredaktion.
Ralf Henningsen ist Mitglied der Nachrichtenredaktion.

Wie Telefonagenten versuchen, Handy-Kunden neue Produkte aufzuschwatzen.

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22. Mai 2015, 06:00 Uhr

Die Dame wirkte außerordentlich kompetent. „Wir sehen uns verpflichtet, Sie darüber zu informieren, dass gerade der Trojaner Obad viele Smartphones unserer Kunden befällt.“ Wie zuvorkommend – meine Telefongesellschaft (eine aus Büdelsdorf) ruft mich an und warnt vor einer Kostenfalle. „Viele Kunden mussten schon 300 bis 400 Euro für SMS bezahlen, die ihr Handy ungewollt abgeschickt hat.“

Aber sie hat eine Lösung parat: „Wir haben ein Sicherheitspaket vorbereitet, das Sie auf dem Handy installieren können.“ Die ersten zwei Monate seien kostenlos, dann koste es monatlich 1,99 Euro. Ich rieche den Braten. Kurz nach Vertragsabschluss nervte das Callcenter schon wiederholt mit dem Versuch, mir eine Handyversicherung aufzuschwatzen. Nun soll’s also die Angst vor teuren Handyrechnungen sein, mit der Kunden zu Mehrausgaben geködert werden. Ich lehne dankend ab. Die Dame gibt nochmal alles: „Dann werden wir nichts für Sie tun können, wenn der Trojaner bei Ihnen zuschlägt.“ Danke, dann ist das so. Tschüss.

Kurzum – es ist eine Frechheit, wenn Handyanbieter das Vertrauen ihrer Kunden missbrauchen und provisionsabhängige Telefonagenten auf sie ansetzen. Das lässt sich nur verhindern, indem man dem Unternehmen Werbeanrufe schriftlich untersagt. Eine andere Frage ist, warum Telefongesellschaften nicht einfach die teuren Nummern sperren, die von Trojanern angewählt werden. Visa und Mastercard nutzen eine ausgefeilte Software, die es sehr schnell erkennt, wenn ein Kunde seine Kreditkarte nicht nach dem üblichen Muster einsetzt. Kann es sein, dass Telefongesellschaften gar kein Interesse daran haben, solchen Missbrauch aufzudecken und lieber kassieren?

Der Anruf der besorgten Dame aus dem Callcenter sollte nicht der letzte bleiben. Drei Tage später klingelte es wieder, und diesmal drohte der Agent schon mit 700-Euro-Rechnungen durch Obad. Tut mir leid, Ihre Anrufe können Sie sich sparen. Der Anschluss ist seit gestern gekündigt.

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