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Fligges Netzwelt : Berschwerde per App: Der Zorn der Spießer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch mit Petzen lässt sich im Netz Geld machen. Pranger-Apps mobilisieren die digitale Bürgerwehr.

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 19:00 Uhr

Eijeijei! Schaut man sich auf den Marktplätzen der App-Entwickler um, bekommt man den Eindruck: Es herrscht Krieg in Deutschlands Städten. Zumindest scheint es ein großes Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung zu geben, für dessen Befriedigung alle Mittel Recht sind. Sogenannte Pranger-Apps erfreuen sich größter Beliebtheit – vor allem für den Straßenverkehr. Und sie haben erneut juristischen Rückenwind bekommen. So sei es erlaubt, Falschparker und rücksichtslose Behinderer per App anzuzeigen und Bilder ihrer Vergehen zu veröffentlichen, teilte der Deutsche Anwaltverein am Mittwoch mit.

Das dürfte Nutzer der App „Wegeheld“ freuen. Allein für Kiel haben sie bereits fast 2000 Verstöße gemeldet. Ein Fahrzeug auf dem Rad- oder Gehweg? Zack – Smartphone raus, ein Foto machen und mit wenigen Klicks ans Ordnungsamt melden. Auf dem Portal wird das Bild dann für jedermann sichtbar veröffentlicht. Kennzeichen werden verpixelt, Firmenaufdrucke nicht. Hinter der Kamera bleibt man anonym.

Auf „Fahrerbewertung.de“ kann ich zu schnelle oder rüpelhafte Autofahrer bewerten, indem ich das Kennzeichen eingebe. Die schlechtesten Fahrkünste in Schleswig-Holstein haben demnach Menschen im Kreis Stormarn. Auf einer Skala von eins bis fünf erreichen sie mit 4,3 Punkten die Note ausreichend. Besonders aussagekräftig sind die Werte aber nicht, denn niemand überprüft die Einträge.

Auch ich ärgere mich über rücksichtslose Menschen im Straßenverkehr oder Autofahrer, die ohne Berechtigung Behindertenparkplätze blockieren. Wenn ich jemanden dabei erwische, spreche ich ihn oder sie an. Dennoch: Eine Armee Hilfssherriffs dürfte die Welt auch nicht besser machen.

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