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Netzneutralität : Auf dem Weg zur Online-Maut

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die US-Behörde FCC bereitet ein Zwei-Klassen-Netz vor. Dienste wie Videoplattformen sollen für flüssigen Datenverkehr extra zahlen.

Die US-Kommunikationsbehörde FCC will den Weg für bezahlte Überholspuren im Netz freimachen. Firmen sollen zukünftig Geld dafür bezahlen, dass ihre Inhalte schnell über die Leitungen zu den Kunden kommen. Das betrifft vor allem Unternehmen, die mit großen Datenmengen arbeiten – Videoplattformen wie Youtube zum Beispiel. Firmen wie Disney, Netflix oder Google sollen demnach die Möglichkeit bekommen, ihre Dienste mit garantierter Qualität zum Kunden zu bringen. Dafür müssten die Firmen den Internetanbietern wie Comcast oder Verizon einen Aufpreis (in Deutschland vergleichbar mit der Telekom oder Kabel Deutschland) zahlen. Der Vorstoß sei Teil einer Neufassung der Regeln zur sogenannten Netzneutralität, wie das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ berichteten.

So könnte beispielsweise ein Videodienst sicherstellen, dass Nutzer die Filme ohne Ruckeln sehen können. Eine solche Regelung wäre eine Abkehr von der bisherigen Gleichberechtigung im Internet. Sie sichert, dass alle Datenpakete gleich behandelt werden müssen. Damit müssen für Internetnutzer alle Dienste gleich gut und schnell funktionieren. Dieser Grundsatz wird Netzneutralität genannt. Verfechter der Netzneutralität befürchten, dass ohne diese Regel kleinere Firmen benachteiligt würden. Sie könnten sich die Extra-Zahlungen an die Internetanbieter womöglich nicht leisten und müssten dann mit einer schlechteren Übertragungsqualität rechnen. Nach dem Motto: Wer es sich nicht leisten kann, auf die Überholspur zu wechseln, steht im Stau.

Allerdings blieb zunächst unklar, wie die neuen Regeln der US-Behörde im Detail aussehen sollen. FCC-Chef Tom Wheeler betonte, es gebe keine grundsätzliche Abkehr von der Netzneutralität. Es werde weiterhin keine Diskriminierung einzelner Inhalte geben. Von einer Kehrtwende wollte der Behördenchef nichts wissen. In den Medienberichten hieß es auch, Internetanbieter sollten keine Inhalte blockieren oder drosseln dürfen. Allerdings sollen den Berichten zufolge Verträge mit einzelnen Inhalte-Lieferanten wie Videodiensten oder Spieleanbietern erlaubt werden. Sie müssten „kommerziell angemessen“ sein, schrieb das „Wall Street Journal“. Was das bedeutet, wolle die FCC im Einzelfall entscheiden.

Kritiker erklärten, dass die Schaffung einer garantierten Qualitätsklasse zwangsläufig andere Angebote benachteilige. „Der Kern eines ‚kommerziell angemessenen‘ Standards ist Diskriminierung“, sagte Michael Weinberg von der Verbraucherschutz-Gruppe Public Knowledge der „New York Times“. Das widerspreche der Netzneutralität.

Die Entscheidung der US-Behörde könnte eine Signalwirkung für europäische und deutsche Regelungen haben. Die Netzneutralität ist auch hier umkämpft. Zuletzt sprach sich das EU-Parlament nachdrücklich für eine Gleichbehandlung von Inhalten im Internet aus. Die FCC reagiert mit dem neuen Vorstoß auch auf zwei Gerichtsurteile.

Ein Berufungsgericht hatte im Januar eine Regel der FCC gekippt, die die Netzneutralität sichern sollte. Der US-Telefonanbieter Verizon hatte dagegen geklagt.

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