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Kinderpornografie : Auch Microsoft durchsucht Nutzerkonten

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Das umstrittene Scanning nach Kinderpornografie von Microsoft und Google sorgt für Schlagzeilen. In Schleswig-Holstein führte es zu Ermittlungserfolgen.

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erstellt am 07.Aug.2014 | 17:49 Uhr

Redmond | Nach Google wird nun auch vom Software-Konzern Microsoft bekannt, dass das Unternehmen Mail-Konten nach Kinderpornografie durchsucht. Einem Bericht des britischen Fernsehsenders BBC zufolge führten Hinweise von Microsoft zu einem Verdächtigen im US-Bundesstaat Pennsylvania. Die Polizei nahm den Mann am 31. Juli fest, weil dieser im Microsoft-Speicherdienst OneCloud Fotos eines jungen Mädchens besaß. Er habe zusätzlich versucht, zwei illegale Fotos über den E-Mail-Dienst live.com zu verschicken. Das geht laut BBC aus Gerichtsdokumenten hervor.

In dem Bericht heißt es, dass Microsoft die Hinweise – ähnlich wie Google auch – an das US-amerikanische National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) weitergab. Die Kinderschutzorganisation informierte die Behörden. Einer der ermittelnden Beamten sagte der BBC zufolge, dass Hinweise von Internetunternehmen bereits häufiger zu Festnahmen in Fällen von Kinderpornografie führten.

Dass dieses Vorgehen auch in Schleswig-Holstein zu Ermittlungserfolgen führte, bestätigte Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamtes in Kiel: "Wir bekommen mehrmals im Monat über das Bundeskriminalamt Hinweise aus Amerika, auch vom NCMEC. Wir werten sie als strafrechtlichen Hinweise, denen wir nachgehen müssen."

Das von Google und Microsoft verwendete Verfahren ist bei Datenschützern umstritten. Über sogenannte Hash-Werte werden massenhaft Nutzer-Konten automatisiert durchsucht und Dateien mit kinderpornografischen Abbildungen aus entsprechenden Datenbanken abgeglichen. Microsoft weist in seinen Nutzungsbedingungen auf die Scans hin. Darin heißt es, dass automatisierte Technologien eingesetzt werden, um Kinderpornografie und missbräuchliches Verhalten, das dem System, den Kunden und anderen schadet, zu identifizieren.

Die Methode liefert trotz allem wichtige Hinweise für die Ermittlungsarbeit der Polizei. "Wir haben dadurch die Chance, eine Straftat aufzuklären und im Idealfall auch die Tat selbst – den Missbrauch eines Kindes – zu verhindern oder zu beenden", so Stefan Jung. Und weiter: "Großunternehmen haben auch eine Verantwortung für ihre Plattformen und müssen dafür sorgen, dass sie nicht von Kriminellen missbraucht werden. Ein Skandal wäre es auch, wenn Google und Microsoft Kinderpornografie sehenden Auges ignorieren würden."

Ähnlich sieht es Irene Johns, Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein: "Unter den Gesichtspunkten des Kinderschutzes ist das ein guter Weg. Es muss aber gewährleistet sein, dass keine weiteren Daten abgegriffen werden, die der Privatsphäre unschuldiger Bürger schaden."

Die deutschen E-Mail-Dienste GMX, Web.de und die Deutsche Telekom nutzen das Verfahren nicht. Sie halten das Vorgehen nicht für vereinbar mit dem Datenschutz. "Wir scannen keine E-Mails auf illegale Inhalte", sagte ein Telekom-Sprecher der dpa. "Es gibt dafür auch keine gesetzliche Grundlage." Ähnlich sieht man es bei GMX und Web.de, die beide zu United Internet gehören. "Eine inhaltliche Überwachung der E-Mails halten wir nicht für vereinbar mit deutschem Datenschutz", erklärte ein Sprecher. E-Mails würden lediglich auf Viren und Spam geprüft.

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