zur Navigation springen

Dreyklufts Netzwelt : Auch die Türkei hat ihr Datenleck

vom

Hacker veröffentlichen Daten von 50 Millionen Türken, darunter Erdogan, und senden damit eine politische Botschaft.

von
erstellt am 05.Apr.2016 | 19:27 Uhr

Zwei Themen beherrschten für mich  die vergangenen Tage: Die Panama Papers, ein Datenleck über Offshore-Konten. Und die Diskussion über die vermeintliche Schmähkritik von Jan Böhmermann an Recep Tayyip Erdogan. Vorbei an der großen Öffentlichkeit ging quasi die Schnittmenge der beiden Themen: ein – für dortige Verhältnisse – riesiges Datenleck in der Türkei, das auch Erdogan direkt betrifft.

Was ist geschehen? Im Internet wurden die unverschlüsselten Daten von fast 50 der 80 Millionen Türken veröffentlicht. Name, Name der Eltern, Geburtsdaten, Adresse, Geschlecht, Ort der Registrierung des Ausweises sowie die Ausweisnummer. Auch Erdogans Daten sollen darunter sein. Die Hacker veröffentlichen entsprechende Datensätze von Erdogan, Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und vom früheren Präsidenten Abdullah Gül in Klartext gleich auf der Übersichtsseite.

Bei näherem Hinsehen zeigte sich, dass sie  nicht frisch sind, sondern vermutlich aus dem Jahr 2009 stammen. Sie kursierten nach Ansicht von Datenexperten schon einige Zeit verschlüsselt im Netz und wurden wohl auch zum Kauf angeboten. Vermutlich stammen sie aus einer Wählerliste der Kommunalwahl 2009.

Die Hacker hinterließen im Internet eine politische Botschaft, die auffindbar, aber nicht ergooglebar ist. Zunächst machen sie sich über die schlechte Verschlüsselung der Daten und die schlechte Struktur der Datenbank lustig. Dann: „Kümmert euch um Erdogan! Er zerstört euer Land, bis ihr es nicht wieder erkennt.“

Die Startseite, von der aus die Daten abrufbar sind.

Die Startseite, von der aus die Daten abrufbar sind.

An anderer Stelle heißt es: „Wer könnte sich vorstellen, dass rückwärts gewandte Ideologie, Vetternwirtschaft und wachsender religiöser Extremismus in der Türkei zu einer bröckelnden und verletzlichen technischen Infrastruktur führen?“

Die Hacker erwecken den Anschein, aus den USA zu stammen: „Lektion für die USA: Wir sollten Trump wirklich nicht wählen. Der Typ hört sich an, als wüsste er noch schlechter als Erdogan, wie man ein Land führt.“

Schwer zu beurteilen, wie ernst die politische Botschaft ist. Eines macht der Fall deutlich: Daten, die es gibt, können immer auch ins Internet gelangen und Schaden anrichten. Wir sollten hoffen, dass es zwischen der Türkei und Deutschland nicht nur in Sachen Demokratie, sondern auch bei der Sicherheit von Behördendaten, erhebliche Unterschiede gibt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen