zur Navigation springen

Gehacktes Seitensprungportal : Ashley Madison – Millionen Fremdgänger stehen am Internet-Pranger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ashley Madison versprach Verheirateten, Affären ohne Reue zu vermitteln. Nun finden sich Millionen Kunden mit Name, Adresse und sexuellen Vorlieben am Internet-Pranger.

Noel Biderman fühlt sich geschmeichelt, als „König der Untreue“ gehuldigt zu werden. Dafür posiert der Gründer des Seitensprung-Portals „Ashley Madison“ schon mal für die Kameras unter blutroter Samtdecke in einem mit Brokat gezierten Bett. Nonchalant verrät der Regent des verborgenen Reichs der rund 40 Millionen registrierten Ehebrecher, Freidenker und Spaßsucher, ohne guten Sex würde er seine Frau „jederzeit“ betrügen.

Amanda Biderman hat damit kein Problem. Sie ist Mitbegründerin der Affären-Vermittlung, die in 50 Ländern ihre Dienste anbietet. „Das ist eine solide Geschäftsidee“ lobt sie ihren zierlichen Noel, der eher wie der Prototyp eines Scheidungs-Anwalts aussieht als wie der Betreiber eines Portals für sexhungrige Möchte-gern-Betrüger.

Vielleicht sollte der studierte Jurist zu seinen Wurzeln zurückkehren. Denn seit eine Hackergruppe mit dem Namen „Impact Team“ ihre Drohung wahrmachte und im Internet rund 32 Millionen Kundendaten veröffentliche, dürfte die Nachfrage nach rechtlichem Beistand größer sein als die Zahl der Neukunden auf Ashley Madison.

Die Hacker hatten eine 30 Tage Frist gesetzt, das Portal und zwei andere Seiten vom Netz zu nehmen. Der „König der Untreuen“ ließ sich nicht einschüchtern. Kampfeslustig schwang er sich zum Verteidiger der Rechte seiner Kunden auf, die er vor „selbsternannten moralischen Richtern, Geschworenen und Vollstreckern“ in Schutz nahm.

„Team Impact“ zeigte sich unbeeindruckt. Unter der Schlagzeile „Time’s Up“ posteten sie gestern fast zehn Gigabyte an vertraulichen Kundendaten auf einer Webseite. Experten bestätigten die Echtheit der Daten, die mindestens 15  000 Email-Adressen von Mitarbeitern der US-Regierung und des Militärs enthielten.

In kürzester Zeit machten sich Internet-Trolle über den kompromittierenden Schatz her, der Namen, E-Mail-Adressen und die Anschrift der Kunden enthält. Dazu gehören auch intime Angaben über sexuelle Vorlieben.

Sicherheitsexperten warnen vor Schadenfreude. Ashley Madison habe die Email-Adressen seiner Kunden nicht verifiziert. Was erklären könnte, warum bei einer Suche die Arbeitsemail des früheren britischen Premierministers Tony Blair auftauchte.

Das größte Problem von allen hat Noel Biderman, dessen auf rund eine Milliarden Dollar geschätztes Affären-Reich nun im Kern bedroht ist. Ein Sprecher Ashley Madisons verkündete tapfer, man werde nicht tatenlos zusehen, „wie Diebe ihre persönliche Ideologie Bürgern rund um die Welt aufzwingen“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen