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iPhone und iWatch : Apple will die Branche umkrempeln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der US-Konzern möchte den Computer am Handgelenk und das digitale Bezahlen etablieren. Der Konkurrenz gelang das bisher nicht.

Cupertino | „One more thing“, eine Sache noch: Fast drei Jahre nach dem Tod von Steve Jobs ließ Konzern-Chef Tim Cook dessen Tradition aufleben: Mit der Apple Watch hob sich Cook die spannendste Ankündigung der Präsentation für den Schluss auf – ganz im Stil des Apple-Gründers. Gut vier Jahre nach der Vorstellung des iPads will Apple mit der „smarten Uhr“ erneut eine Branche auf den Kopf stellen. Cook machte klar, dass er das Ziel verfolgt, den Computer sinnvoll an das Handgelenk zu bringen.

In einer Mail an seine Mitarbeiter sprach Cook nach der Präsentation von einem „neuen Kapitel“ in der Geschichte von Apple. Ob der 9. September 2014 tatsächlich in eine Reihe mit dem Start des ersten iPhones 2007 oder der Präsentation des ersten iPads 2010 gestellt werden kann, wird sich noch erweisen. Immerhin wird Cook sich dank der Apple Watch nicht mehr ständig fragen lassen müssen, wann der Konzern sich mal wieder in eine neue Produktkategorie wagt.

Computeruhren gibt es inzwischen viele. Der große Rivale Samsung preschte schon vor einem Jahr mit einer modernen Smartwatch vor. Auf der IFA in Berlin zeigten die Südkoreaner nun bereits ihre erste Version mit eingebautem Mobilfunk-Chip. Zudem gab es neue Modelle von LG, Sony, Motorola. Auf den ersten Blick bieten sie ähnliche Funktionen wie sie Apple verspricht: Telefonieren, Nachrichten diktieren, Fitness-Daten sammeln.

Der iPhone-Konzern will aber nach jahrelanger Entwicklungsarbeit mit einer durchdachten Bedienung und Liebe zum Detail punkten. Mit der neuartigen Bedienoberfläche wird klar: Das ist kein geschrumpftes iPhone, sondern ein ganz eigenständiges Gerät. Zum Marktstart im kommenden Jahr wird sich auch zeigen, wie gut es Apple und den Entwicklern von Apps gelingen wird, die Uhr zu einem sehr persönlichen Gerät zu machen.

Apple wolle mit seiner Uhr dem Smartwatch-Geschäft einen Neustart verpassen, urteilte die Analysefirma IHS. Zugleich lasse sich der Konzern aber auch auf ein Abenteuer ein: „In eine neue Kategorie einzusteigen, ist ein mutiger, teurer und riskanter Schritt.“ Auf jeden Fall müssten sich bisherige Anbieter jedoch mehr anstrengen, denn Apple sei heute viel stärker als etwa beim iPhone-Start.

Wirtschaftlich noch wichtiger als die Apple Watch könnte sich das digitale Bezahlsystem Apple Pay erweisen, das im Oktober zunächst in den USA eingeführt wird. Apple verspricht, das Bezahlen mit dem iPhone – und auch der Uhr – werde schneller, sicherer und bequemer sein als mit Bargeld oder einer herkömmlichen Kreditkarte. Und wie beim Bargeld würden bei Apple Pay keine Kundendaten übertragen, sondern nur eine anonymisierte Autorisierungsnummer. Für Kunden und Händler sollen keine zusätzlichen Kosten anfallen. Über die Konditionen für Banken und Kreditkartenfirmen hüllen sich die Beteiligten in Schweigen.

Zumindest in den USA hat Apple Pay das Potenzial, einen ähnlichen Effekt wie beim iPad zu erzeugen. Vor dem Apple-Tablet hatten Microsoft und andere jahrelang versucht, die Geräteklasse am Markt zu etablieren. Doch erst mit dem iPad gelang der Durchbruch. Da lassen sich die Apple-Manager auch nicht sonderlich davon beeindrucken, dass verschiedenste Versuche bislang gescheitert sind, digitale Geldbörsen auf der technischen Basis des Nahfunks NFC populär zu machen.

Standpunkt: Konsumenten aller Länder

Der Aldi-PC, das Nokia-Handy, das iPhone haben eines gemeinsam: Sie hatten ihre Boom-Zeiten.  Am 19. September werden noch einmal Scharen von technikbegeisterten Konsumenten vor den Geschäften Schlange stehen.

Tut mir leid, Apple – aber die neuen iPhone-Versionen sind nur der achte und der neunte Aufguss eines – damals wirklich revolutionären – Smartphones. Wirklich sexy waren die Produkte aus Cupertino nur, solange sie nicht zum Mainstream gehörten. „See things differently“ – das Motto aus dem Auftaktfilm der Apple-Präsentation, ist heute nur noch eine hohle Phrase. 500 Millionen verkaufte iPhones sind der beste Beweis.

Gleichwohl werden die Kalifornier vom iPhone 6 und 6 Plus mehr Geräte verkaufen als von den Vorgängermodellen. Nach zwei Jahren mit dem iPhone-5-Design dürsten die Konsumenten geradezu nach einem neuen Formfaktor. Das Ratenzahlungsmodell der meisten westlichen Telefongesellschaften, die Handys über zwei Jahre finanzieren, macht es dem Hersteller einfach.

Für die Watch hat Apple schon unser Weihnachtsgeld für 2015 ins Visier genommen. Sparen Sie sich Argumente wie „Sowas brauch’ ich nicht“. Das Konsumverhalten des Mainstreams folgt seinen eigenen Gesetzen.

PS: Wann kommt denn nun eigentlich der Apple-Fernseher?

Ralf Henningsen

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