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Christiansens Netzwelt : Apple im Streit mit dem FBI: Tim Cook und das Software-Monster

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Streit um die Hintertüren in Gerätesoftware wird heftiger – und Verschlüsselung immer wichtiger.

Es gibt einen Satz, den ich seit Jahren höre, den – wenn ich ehrlich bin – auch ich in einem schwachen Moment schon einmal gesagt habe. Aus Unwissenheit, Gleichgültigkeit oder Resignation: „Ich habe doch nichts zu verbergen.“ Besonders häufig fiel er im Zusammenhang mit der Überwachung durch Geheimdienste oder mit der Vorratsdatenspeicherung. Der Satz ist schnell gesagt. Viel schlimmer: Er stimmt so nicht. Ich habe sehr wohl etwas zu verbergen: meine Privat- und meine Intimsphäre. Ob sich dort etwas Schlimmes findet oder nicht, spielt erstmal gar keine Rolle. Es geht um digitale Selbstbestimmung. Wenn man mich nett fragt, erzähle ich auch Dinge, die ich als schützenswert erachte. Aber eben nicht zwingend alles und erst recht nicht jedem.

Nun mag man sagen, Ermittlungsbehörden oder Regierungen sind ja nicht irgendwer. Ihnen liegt ja schließlich das Wohl der unbescholtenen Bürger und die Wahrung unserer Rechtsstaatlichkeit und unserer Demokratie am Herzen. An die Kriminellen wollen sie ran, an Terroristen. Nur: Hinter halb verschlossenen Türen spielt manchmal jemand Mäuschen und reibt sich die Hände. Das heißt: Wenn die US-Sicherheitsbehörde FBI Unternehmen wie Apple dazu bringen will, Hintertüren in ihre verschlüsselten Geräte einzubauen und den Generalschlüssel dafür an die Behörden zu geben, wird sich früher oder später jemand diesen Schlüssel zu eigen machen. Oder jemand einen eigenen Weg finden, die nur ins Schloss gefallene, statt verriegelte Tür zwischen ihm und unseren Daten zu öffnen, Daten mitzulesen, sich zu bedienen. Nicht nur diejenigen, die Gutes im Schilde führen, werden besser in IT. Hinter Cyber-Crime steckt heute eine ganze Industrie.

Mit einem Generalschlüssel würde man ein Monster erschaffen, fürchtet Apple-Chef Tim Cook. Mit seinem offenen Brief prescht er ein ganzes Stück nach vorn. Nach dem Motto: Wer laut schreit, der hat auch recht. Das hat er auch. Aber vielleicht hat er auch Angst. Denn auf lange Sicht suchen sich sicherheitsbewusste Nutzer vielleicht Anbieter, die nicht von Behörden oder Gerichten dazu gebracht werden, ihre Nutzer auszuliefern.

Aber immerhin schreit jemand. Denn gerade weil ich nichts Böses im Schilde führe, finde ich digitale Selbstbestimmung wichtig. Gerade deshalb ist es mir wichtig, dass meine Daten nicht zu meinem Nachteil genutzt oder missbraucht werden. Und: Gerade deshalb ist Verschlüsselung so wichtig.
 

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erstellt am 17.Feb.2016 | 19:25 Uhr

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