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Fligges Netzwelt : App-Sklaven der Versicherung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Als erster großer Versicherer in Europa sammelt Generali Fitness-Daten. Wer nicht mitmacht, dürfte künftig mehr bezahlen.

Zugegeben, ich bin kein leidenschaftlicher Läufer. Aber wenn ich jogge, dann mit Sport-App. Einmal im Monat fordere ich den Muskelkater heraus und messe dabei GPS-Daten, Durchschnittsgeschwindigkeiten und lasse mir auf einer Karte genau anzeigen, wo und wann ich am langsamsten war.

Man kann das noch viel weiter treiben: „Quantified Self“ nennt sich ein Trend, der häufig mit Selbstvermessung umschrieben wird. Im Kern geht es darum, sein Leben zu optimieren. Elektronische Armbänder und Smartphones sammeln allumfassend Daten. Verfechter beten sektenmäßig die Vorteile herunter: Perfektionierung von Schlaf, Bewegung, Stresslevel, Ernährung. Die Selbstvermesser haben einen wahren Kult ins Leben gerufen.

Wer profitiert? In erster Linie wohl die Technologie-Unternehmen. Dass sich auch die Versicherungs-Branche nach dem Einsatz von Fitness-Apps die Finger leckt, ist bekannt. Datenschützer warnen seit Jahren davor. So verwunderte es nicht, als die Generali-Gruppe vergangene Woche ankündigte, die Selbstoptimierer mit Smartphone zu belohnen. Voraussetzung: Kunden übermitteln mit dem Gesundheitsprogramm „Vitality“ regelmäßig Daten zu ihrem Lebensstil an den Versicherer. Es winken Rabatte und Prämien für einen gesunden Lebensstil. Alles nachvollziehbar. Wer gesund lebt, kostet Generali wenig Geld.

Wo ist das Problem? Die Daten werden doch freiwillig übermittelt, reagiert das Unternehmen auf Kritik. Das mag heute noch so sein. Doch etabliert sich das Modell, wird es irgendwann nicht mehr nur um freiwillige Vorteile gehen. Dann wird zum Risiko, wer nicht mitmacht. Ein Risiko, dass sich Versicherungen mit individuellen Tarifen sicher teuer bezahlen lassen.

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erstellt am 27.Nov.2014 | 10:06 Uhr

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